Museum in Karlsruhe
Griechenland fordert zwei Objekte zurück

Griechenland und Baden-Württemberg liegen im Clinch: Griechenland wirft dem Badischen Landesmuseum vor, eine Skulptur und eine Schale unrechtmäßig erworben zu haben. Das Museum in Karlsruhe bestreitet das.
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KarlsruheGriechenland fordert zwei Objekte aus der Sammlung des Badischen Landesmuseums Karlsruhe zurück. Bis zur Erfüllung dieser Forderung verweigert die griechische Generaldirektion für Antiken und Kulturerbe alle Leihgaben für eine in Karlsruhe geplante Ausstellung zur Kultur der Kykladen, sagte Museumschef Harald Siebenmorgen am Mittwoch und bestätigte damit Medien-Berichte. Bei den Objekten handelt es sich um eine 88 Zentimeter große weibliche Idol-Skulptur und eine mit Spiralen verzierte Schale aus der Bronzezeit, die nach Angaben Siebenmorgens zusammen zwischen drei bis vier Millionen Euro wert sind.

Aus Sicht der Griechen wurden die beiden Stücke rechtswidrig erworben. Nach Angaben von Baden-Württembergs Wissenschaftsministerium gibt es dafür aber „keine Hinweise“.

Laut Siebenmorgen waren die Stücke 1975 für sein Haus vom Land erworben worden. „Rechtlich waren die Erwerbungen einwandfrei.“ Auch sei die Rückforderung verjährt. Außerdem habe Deutschland das Unesco-Abkommen über das Verbot der rechtswidrigen Einfuhr von Kulturgut erst 1992 unterzeichnet. Somit seien diese Objekte nicht betroffen, bestätigte er Berichte der „Badischen Neuesten Nachrichten“ und von SWR 2. Eine solche Verknüpfung sei international völlig unüblich und komme einer Erpressung gleich, sagte er SWR 2.

Siebenmorgen will seine Kykladen-Schau im Dezember dennoch präsentieren - ohne die 60 aus Griechenland angefragten Objekte. „Es bleiben immer noch 150 bis 200 hochkarätige Stücke übrig“, sagte er der Nachrichtenagentur dpa. Einen Zusammenhang mit der griechischen Finanzkrise wollte er nicht herstellen. „Es war schon immer ein Problem, mit den Griechen zusammenzuarbeiten. Die jetzigen Pressionen sind aber neu und ungewöhnlich“, sagte er.

Auf der Inselgruppe der Kykladen inmitten der Ägäis wurde vor 5000 Jahren ein neues Kapitel der europäischen Geschichte aufgeschlagen. Mit ihrer Kultur begann laut Museum ein neues Zeitalter, das den gesamten europäischen Raum prägte: die Bronzezeit. Auslöser dafür war die Einführung technischer Innovationen durch Verwendung des neuen Rohstoffs Bronze für Werkzeuge und Waffen.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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