Musharraf lehnt Aufhebung ab
Pakistan weiter im Ausnahmezustand

Der pakistanische Militärmachthaber Pervez Musharraf hat Forderungen nach einer sofortigen Aufhebung des vor zwei Wochen verhängten Ausnahmezustands erneut zurückgewiesen. Im Nordwesten Pakistans entbrannten unterdessen schwere Kämpfe zwischen verfeindeten Muslim-Gruppen.

HB ISLAMABAD. Bei einem Treffen mit US-Vizeaußenminister John Negroponte am Samstag in Islamabad sagte Musharraf nach Angaben eines Mitarbeiters, er werde versuchen, den Ausnahmezustand sobald wie möglich zu beenden. Er könne dafür jedoch kein Datum nennen.

Musharraf, der zugleich Staatspräsident und Armeechef ist, hat für Anfang Januar Parlamentswahlen angekündigt. Am Freitag hatte er einen Übergangspremier ernannt und damit den Weg für die Wahlen freigemacht.

Negroponte warnte den General nach pakistanischen Angaben vor einer „Konfrontation“ mit Oppositionsführerin Benazir Bhutto und den gemäßigten Kräften in Pakistan. Dadurch würden allein die Extremisten im Lande gestärkt. Auch an Bhutto, die sich nach viertägigem Hausarrest wieder frei bewegen konnte, appellierte Negroponte in einem Telefongespräch, sich kooperativ zu zeigen. Er habe bekräftigt, wie wichtig es sei, dass die moderaten Kräfte in Pakistan zusammenarbeiten.

Nach anfänglicher Annäherung war Bhutto auf Distanz zu Musharraf gegangen und hatte zum „Kampf der Demokratie gegen die Diktatur“ aufgerufen. Musharraf ist der wichtigste regionale Verbündete der USA in ihrem Anti-Terror-Kampf.

Den beiden größten privaten Fernsehstationen des Landes wurde unterdessen die Ausstrahlung ihrer Programme per Satellit über Sendeanlagen in den Vereinigten Arabischen Emiraten untersagt. GEO TV und ARY seien aufgefordert worden, ihre dortigen Anlagen abzuschalten, berichteten die TV-Sender in Islamabad. Sie vermuteten, dass die pakistanische Regierung dahintersteckt. Die Emirate hätten große Finanzinteressen in Pakistan, so dass es Musharraf sicher nicht schwer gefallen sei, sie zu diesem Schritt zu bewegen.

Im Nordwesten Pakistans entbrannten unterdessen schwere Kämpfe zwischen verfeindeten Muslim-Gruppen. Bei den Zusammenstößen zwischen Sunniten und Schiiten wurden nach Behördenangaben vom Samstag mindestens 34 Menschen getötet und mehr als 100 verletzt. Die Kämpfe brachen aus, nachdem Bewaffnete nach dem Freitagsgebet in der Stadt Parachinar im Grenzgebiet zu Afghanistan eine Moschee beschossen hatten. In der Stadt marschierten Truppen auf, die Behörden verhängten eine Ausgangssperre. Spannungen in dem Stammesgebiet hatten bereits im April zu Zusammenstößen geführt, dutzende Menschen wurden getötet.

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