Musharraf unter Druck
Generalstreik legt Pakistan lahm

In der Krise um die Absetzung eines Richters nimmt der Druck auf Pakistans Präsident Pervez Musharraf zu. Mit einem Generalstreik haben die Pakistaner am Montag gegen die blutigen Unruhen in der Hafenstadt Karachi protestiert.

HB ISLAMABAD. Der von der Opposition ausgerufener Streik legte das öffentliche Leben in allen großen Städten des Landes lahm. Zudem klagte das islamistische Oppositionsbündnis Muttahida Majlis-e-Amal (MMA) vor dem Obersten Gericht auf eine Amtsenthebung Musharrafs sowohl als Präsident wie auch als Armeechef. Ein Beamter des Gerichts, den Anwälte des entlassenen Richters als Zeugen benannten, wurde erschossen.

Der Oppositionsstreik richtete sich gegen die Gewalt zwischen Anhängern Musharrafs und Unterstützern des entlassenen Obersten Richters Iftikhar Chaudhry, bei der am Wochenende in Karatschi fast 40 Menschen getötet und rund 150 verletzt worden waren. In allen großen Städten blieben die Geschäfte und Märkte geschlossen. Es war das erste Mal seit Musharrafs Machtübernahme 1999, dass ein Streikaufruf so umfassend befolgt wurde. Die Opposition macht die Regierung für die Gewalt verantwortlich.

In Pakistans größter Stadt Karatschi patrouillierten 17 000 Paramilitärs, die von der Regierung ermächtigt wurden, auf Gewalttäter zu schießen. Der Polizeichef der Stadt sagte, es habe keine neue Gewalt gegeben: „Die Stadt ist völlig lahm gelegt. Die Geschäfte sind geschlossen, und auf den Straßen sind nur sehr wenige öffentliche Verkehrsmittel unterwegs.“

Ein MMA-Sprecher begründete die Amtsenthebungsanträge gegen Musharraf damit, dass dieser seinen Armee-Eid gebrochen habe, indem er sich in die Politik eingemischt habe, ohne die Uniform abzulegen. Zudem habe er „die Armee in die Politik gezerrt“ und sich damit auch als Präsident disqualifiziert.

Musharraf hatte im Zuge einer Abmachung mit dem Islamisten-Bündnis angekündigt, das Amt des Armeechefs bis Ende 2004 aufzugeben, war davon aber später abgerückt. Laut Verfassung müsste er die Armee bis Ende dieses Jahres verlassen. Musharrafs Entlassung des Präsidenten des Obersten Gerichts wird von Beobachtern als Versuch interpretiert, ein mögliches Hindernis vor seiner im Herbst geplanten Wiederwahl aus dem Weg zu räumen.

Der am Montag tot in seinem Haus in Islamabad aufgefundene Gerichtsbeamte wurde nach Polizeiangaben aus unmittelbarer Nähe erschossen. Das Motiv sei unklar, hieß es. Die Witwe des Opfers zeigte sich überzeugt, dass die Tat ein gezielter Mord gewesen sei. Die Täter hätten sofort geschossen und nicht versucht, etwas zu stehlen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%