Muslime jagen offenbar aus Vergeltung Christen
Blutiges Massaker in Nigeria

Tausende von Christen haben sich aus Angst vor muslimischen Angreifern in der nigerianischen Stadt Kano in Polizeiwachen und öffentliche Gebäude geflüchtet. Moslemische Jugendliche sollen Kirchenvertretern zufolge hunderte Christen bereits getötet haben.

HB KANO/NAIROBI. „Fast 600 Menschen wurden getötet und zwölf Kirchen niedergebrannt“, sagte ein Sprecher der Christlichen Vereinigung von Nigeria am Donnerstag. Mit Messern und Keulen bewaffnete moslemische Jugendliche hätten am Mittwoch und Donnerstag - offenbar aus Vergeltung - Christen gejagt, die in der Region in der Minderheit sind. Sie plünderten deren Häuser und brannten sie nieder.

Der Gewaltausbruch im Norden Nigerias in den vergangenen Tagen - mit stark schwankenden Angaben zu den Opferzahlen - war lediglich der jüngste „Vergeltungsakt“ in einem seit Jahren andauernden Konflikt. Anfang Mai hatten christliche Milizen im Bundesstaat Plateau 200 muslimische Einwohner umgebracht. Immer wieder werden in Nigeria Kirchen und Moscheen in Brand gesetzt.

Die römisch-katholische Kirche will in den Gewalttaten keinen religiös bedingten Konflikt sehen. „Dies ist eine ethnische Krise, in der es vor allem um Landbesitz geht“, sagt Peter Dada, Sprecher der nigerianischen Bischofskonferenz. Die einheimischen muslimischen Volksgruppen in Kano nutzten den Boden für ihre Landwirtschaft, die zugewanderten christlichen Gruppen wollten Rinderzucht betreiben. „Es geht nicht um einen Konflikt zwischen Muslimen und Christen“, betonte er.

Der Emir von Kano, Ado Bayero, rief die dortigen Muslime in Rundfunk und Fernsehen auf, die Gewalttaten zu beenden. Diese seien nicht mit dem Islam vereinbar, sagte er. Viele der randalierenden Jugendlichen hätten ohnehin keine Ahnung von der einen oder der anderen Religion, schreiben lokale Zeitungen. Die meisten von ihnen seien arbeitslos und nutzten die ethnisch-religiösen Spannungen, um ihre Aggressionen auszuleben und so viel wie möglich zu plündern.

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