Mustafa Abdul Dschalil Libyens Mann für den Wechsel

Gaddafis letzte Bastion ist gefallen, die Rebellen übernehmen die Macht. Der Chef des Übergangsrats soll das Land künftig führen. Doch wer ist Mustafa Abdul Dschlalil - und welche Probleme kommen auf ihn zu?
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Wer Libyens neue Herrscher sind
Libyan rebels
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Bilder von Aufständischen, die sich mit großen Schusswaffen in Szene setzen (hier in einem Vorort von Tripolis am 22. August) gab es von Anfang an viele. Internationale Anerkennung jedoch gewannen die Aufständischen, als sie einen Übergangsrat bildeten, der sich Demokratie auf die Fahnen schrieb. Doch während das Regime in den letzten Zügen liegt, stellt sich die Frage, ob die Opposition das geschundene Land übernehmen und auch erfolgreich führen kann. Die Aufgabe, das Land nach sechs Monaten Bürgerkrieg und 42 Jahren Gaddafi-Herrschaft zusammenzuführen, ist erst recht schwierig, weil Libyen keine Erfahrung mit Wahlen und demokratischen Institutionen hat. Gaddafi führte das Land seinen Launen entsprechend und seiner eigenwilligen politischen Philosophie folgend. Neue Machthaber müssen auch neue Strukturen aufbauen.

Mustafa Abdul Dschalil
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Trotz der anfänglich zuweilen chaotischen Zustände führte die Rebellion in Libyen zur Bildung eines Nationalen Übergangsrates. Dessen Mitglieder kommen aus jeder von den Rebellen gehaltenen Stadt und sind von örtlichen Räten ausgewählt. Angeführt wird der Übergangsrat von Mustafa Abdul Dschalil (hier am 16 August 2011 in der libyschen Rebellenhochburg Bengasi), dem früheren Justizminister, der zu den ersten Kabinettsmitgliedern gehörte, die während des Aufstands vom Regime abfielen. Gaddafi war über die
Fahnenflucht so verärgert, dass er 400 000 US-Dollar (278 000 Euro) für die Ergreifung des Abtrünnigen auslobte. Trotz seiner einstigen Zugehörigkeit zum Gaddafi-Regime genießt Abdul Dschalil unter den Rebellen Respekt. Als starker Führer oder dominante Persönlichkeit kann er dennoch nicht betrachtet werden.

Mustafa Abdel Jalil
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Abdul Dschalil, Chef des Übergangsrats der Rebellen (hier auf einer Pressekonferenz der Rebellen am 22. August in Bengasi) fordert, alle Gefolgsleute Gaddafis müssten sich noch vor Gericht verantworten, sobald die Lage stabil sei. „Und ich werde der Erste sein. Für meine Fehler werde ich mich verantworten müssen, weil ich vier Jahre für Gaddafi gearbeitet habe. Aber ich rufe alle Libyer auf, das Recht nicht in die eigenen Hände zu nehmen“, sagt Dschalil, der nach einer Karriere im libyschen Justizwesen 2007 zu Gaddafis Justizminister ernannt worden war. Der 59-Jährige studierte in Bengasi Jura und islamisches Recht. Er gilt als konservativ und frommer Muslim. Als Justizminister bot er Gaddafi und dessen Gefolgsleuten in einigen prominenten Justizfällen die Stirn und kritisierte Verstöße gegen Menschenrechte. Am Ende stand Dschalil auf verlorenem Posten.

Ali al-Essawi
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Ali al Essawi (auch Issawi, links im Bild) ist der der Chefdiplomat der Aufständischen und gehört ebenso wie der Vorsitzende Abdul Dschalil einer Gruppe früherer Regierungsmitglieder an, die einen machtvollen Block im Übergangsrat darstellen. Der 45-Jährige wurde im Januar 2007 zum damals jüngsten Wirtschafts- und Handelsminister berufen. Al-Issawi wurde in der Rebellenhochburg Bengasi geboren. Das Foto zeigt Essawi mit dem italienischen Außenminister Franco Frattini am 22. Juli in Rom.

Mahmud Dschibril
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Der Vorsitzende des Exekutivrats des Nationalen Übergangsrats - und damit Chef der Übergangsregierung - Mahmud Dschibril (auch Jibril, links im Bild), wird ebenfalls zur Gruppe der mächtigen Ex-Regierungsmitglieder gezählt. Der Ökonom Dschibril studierte unter anderem in Pittsburgh und war am Entwurf einer ambitionierten Zukunftsvision beteiligt, die den Titel trägt: „Libyen 2025: Ein Blick voraus“. Darin kommt dem Staat eine beschränkte Rolle zu, es ist von freier Meinungsäußerung die Rede sowie einer Öffnung für den freien Markt. Das Foto zeigt ihn mit Bundesaussenminister Guido Westerwelle (FDP) am 30.06.11 im Auswärtigen Amt.

Mahmud Dschibril
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Der 59 Jahre alte Ökonom Mahmud Dschibril leitete vor Beginn des Bürgerkrieges eine Denkfabrik: den Nationalen Ausschuss für Wirtschaftliche Entwicklung. Dieser sollte der Privatwirtschaft Impulse geben. Depeschen der US-Botschaft, die das Internet-Portal Wikileaks veröffentlichte, beschreiben ihn als gut vernetzt. Sie berichten aber auch von einigen Niederlagen, die der Chef-Reformer einstecken musste - wenn der Sicherheitsapparat beispielsweise Visa für US-Geschäftsleute verwehrte.

Omar al-Hariri,
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Omar al-Hariri ist im Übergangsrat für militärische Angelegenheiten zuständig. Al-Hariri war an dem Putsch beteiligt, der Gaddafi 1969 an die Macht brachte. Der heute 67 Jahre alte General bekam die eiserne Faust des Revolutionsführers selbst zu spüren. Er wurde 1975 wegen der Beteiligung an Putschplänen festgenommen und zum Tode verurteilt. 15 Jahre später wandelte Gaddafi das Urteil in Hausarrest um. Die Rebellen feiern den General als Helden.

Wie schnell sich die Zeiten ändern, erlebt Mustafa Abdul Dschalil derzeit am eigenen Leib: Hatte US-Außenministerin Hillary Clinton die Rebellenführer im März am Rande des Treffens der Libyen-Kontaktgruppe in einem Pariser Hotel nur still und heimlich für 45 Minuten empfangen, so drängen sich jetzt Spitzenpolitiker aus aller Welt mit Dschalil ins Bild. Die nächste Fotoserie wird am Mittwoch geschossen, wenn Libyens Mann für den Wechsel mit Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy in Paris zusammentrifft.

Auf den Fotos mag Dschalil wie ein strahlender Sieger wirken, doch die Realität sieht anders aus. Der 59-Jährige blickt nach wie vor auf eine unklare Lage in der 1000 Kilometer von seinem provisorischen Regierungssitz in Bengasi entfernten Hauptstadt Tripolis. Kürzlich hat der Chef des Nationalen Übergangsrats dem erst im März berufenen Kabinett eine Umbildung verordnen müssen.

Auslöser war der mysteriöse Mord an einem Militärkommandeur der Aufständischen: Seit Offizier Abdel Fattah Junis Ende Juli tot aufgefunden wurde, geht ein tiefer Riss durch die Oppositionellen: Denn unklar ist, ob sich hinter dem Mord Gaddafi-Loyalisten, Islamisten oder Eifersüchtelnde unter den 140 libyschen Stammes-Scheichs verbergen.

Auch Dschalil saß lange im Gaddafi-Kabinett, bis er am 21. Februar, vier Tage nach Ausbruch der libyschen Rebellion, seinen Posten als Justizminister unter Protest niederlegte. Als Grund führte er die „exzessive Gewalt gegen Demonstranten“ an. Von den Rebellen wurde der im ostlibyschen Al Bayda geborene Dschalil mit offenen Armen aufgenommen, weil er sich bereits unter Gaddafi für Gefangene einsetzte und im März 2010 erstmals seinen Rücktritt angeboten hatte.

Doch Dschalil blickt auf einen Berg voller ungelöster Probleme. Die Rebellenführung, die aus Gaddafi-Wendehälsen, Alt-Oppositionellen, zurückgekehrten Exilanten, Stammesfürsten und Islamisten besteht, ist innerlich zerrissen. Genau in die Karten schauen kann ihnen niemand: Von den 40 Mitgliedern des Übergangsrats sind nur 13 namentlich bekannt, angeblich aus Sicherheitsgründen.

Zudem muss Dschalil eine Regierung etablieren, die den Eindruck einer Vertretung Ost-Libyens zerstreut. Ein entsprechender Acht-Punkte-Plan sieht den baldigen Umzug des Rats in die Hauptstadt vor. Zu den Grundsätzen der neuen libyschen Regierung sollen Demokratie und Marktwirtschaft gehören – eine Staatsform, die unter Despot Gaddafi 42 Jahre lang unbekannt war.

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