Mutmaßliche Verzögerungstaktik
Chodorkowski muss noch länger auf sein Urteil warten

Der Strafprozes gegen den ehemaligen russischen Ölmagnaten Michail Chodorkowski nimmt kein Ende. Erneut ist die Urteilsverkündung des Moskauer Gerichts verschoben worden.

HB MOSKAU. Die Sitzung werde am Donnerstag fortgesetzt, teilte die zuständige Richterin Irina Kolesnikowa mit. Nach russischem Prozessrecht wird das Strafmaß erst zum Ende der Urteilsverkündung bekannt gegeben.

Die Verteidiger Chodorkowskis und seines mitangeklagten Geschäftspartners Platon Lebedjew übten Kritik an der Vorgehensweise der Jusitz. „Das ist kein Gerichtsprozess, sondern eine Abrechnung“, sagte der Anwalt Juri Schmidt. Nach dem dritten Tag der Urteilsverkündung habe die Richterin erst 80 von insgesamt schätzungsweise 1000 Seiten vorgelesen.

In Moskau wurde die Vermutung geäußert, das Gericht verzögere die Verkündung des Strafmaßes auf Anweisung der Staatsführung, um die Proteste gegen das Verfahren abebben zu lassen. Die Richterin hatte bereits zu Wochenbeginn im Grundsatz die Schuld Chodorkowskis und Lebedjews anhand der Beweislage bestätigt. Ihnen werden Betrug, Steuerhinterziehung und Urkundenfälschung zur Last gelegt.

Die Staatsanwaltschaft fordert zehn Jahre Haft. Chodorkowski sitzt seit Oktober 2003 in Untersuchungshaft. Sein Kompagnon Lebedjew wurde bereits im Juli 2003 verhaftet.

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