Mutmaßlicher IS-Terrorist packt aus
„Ich habe es als meine Pflicht angesehen“

Ein mutmaßlicher IS-Terrorist aus Deutschland packt vor Gericht aus. Er wollte in Syrien helfen, seine Pflicht tun. Nach blutigen Machtkämpfen kamen ihm die ersten Zweifel. Nun will er ein „ganz normales Leben“ führen.
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Frankfurt„Die Bilder aus Syrien ließen mir keine Ruhe.“ Der angeklagte mutmaßliche IS-Terrorist und Syrien-Rückkehrer hat sein Schweigen im Prozess gegen ihn am dritten Verhandlungstag gebrochen. Der 20-Jährige lässt seinen Anwalt vor dem Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt am Freitag erklären, weshalb er im Juli 2013 in den Kampf nach Syrien zog und sich der radikalen Terrormiliz Islamischer Staat (IS) anschloss. Damit packt zum ersten Mal ein mutmaßlicher IS-Terrorist vor einem deutschen Gericht aus.

Kreshnik B. will schnell aus dem Kriegsgebiet zurück, nun wünscht er sich „ein ganz normales Leben“, heißt es in seiner Erklärung. „Man muss vielleicht erst einmal sehen, was Krieg bedeutet, um Dankbarkeit für Frieden zu empfinden.“

Mit der Erklärung arbeitet Kreshnik B. nun doch auf eine Strafmilderung hin, die ihm das Gericht bei einer Aussage in Aussicht gestellt hatte: Er könnte zu dreieinviertel bis viereinviertel Jahren Haft nach Jugendstrafrecht verurteilt werden. Allerdings spricht der Angeklagte – der eine graue Jogginghose, ein schwarz-graues T-Shirt, Brille und einen Kinn-Wangenbart trägt – nicht selbst.

Die „unfassbare Gewalt“ des Assad-Regimes habe ihn wütend und fassungslos gemacht, liest Anwalt Mutlu Günal aus der fünfseitigen Erklärung für seinen Mandanten vor. „Keiner wollte den Menschen dort helfen.“ Er habe etwas tun und nicht zusehen wollen: „Ich habe es als meine Pflicht angesehen, nach Syrien zu gehen, um mich gegen die Unterdrückung und Tyrannei dort zu stellen.“

Im Juli 2013 reiste der Heranwachsende über die Türkei nach Syrien und kam mit Hilfe deutscher Mitstreiter bald in eine „Art Militärbasis“ einer Untergruppe des IS. Er habe dort mit Menschen aus vielen Nationen im Alter von 18 bis 60 oder sogar 70 Jahren in Zelten gelebt. Sie seien um 6.00 Uhr morgens aufgestanden und unter anderem in einem Crash-Kurs an der Pistole und dem Sturmgewehr ausgebildet worden. „Wir haben auch sehr viele Leibesübungen gemacht: Laufen, robben und solche Dinge.“

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