Myanmar
Demonstranten: „Es ist Blut geflossen“

Eine Woche nach Ausbruch der Massenproteste in Myanmar hat es erstmals Tote gegeben. Sicherheitskräfte eröffneten nach übereinstimmenden Angaben aus Myanmar selbst und eines Radiosenders im Exil das Feuer auf Demonstranten. Die Rede ist von bis zu acht Toten.

HB RANGUN. Der Rundfunksender Democratic Voice of Burma in Oslo unter Berufung auf Quellen in dem asiatischen Land, es seien fünf Mönche und drei zivile Demonstranten erschossen worden. Zuvor war bereits aus einem Kloster in Myanmar selbst verlautet, zwei Mönche seien ermordet worden. Die Sicherheitskräfte gingen auch mit Schlagstöcken, Tränengas und Warnschüssen gegen die Demonstranten vor.

„Sie wollen uns töten, Mönche und Nonnen“, sagte eine Nonne: „Vielleicht sollten wir zu unserem normalen Leben zurückkehren.“ Ein Student sagte dagegen mit Blick auf vorbeiziehende Demonstranten: „Wenn sie mutig sind, müssen wir auch mutig sind. Sie riskieren ihr Leben für uns.“ Die beiden wollten ihre Namen aus Angst vor Repressalien nicht nennen.

Trotz des massiven Aufgebots an Soldaten und Polizisten schlossen sich wieder etwa 10 000 Bürger den demonstrierenden Mönchen an. „Sie ziehen durch die Straßen, die Mönche in der Mitte und die einfachen Leute an jeder Seite. Sie schirmen sie ab, bilden einen menschlichen Schutzschild“, beschrieb ein Augenzeuge im ohrenbetäubenden Lärm der Demonstration die Szene.

Bereitschaftspolizisten verprügelten Mönche und feuerten Tränengas in die Menge, die sich ihren Weg zur abgeriegelten Shwedagon-Pagode bahnen wollten. Das höchste buddhistische Heiligtum Birmas war bislang Ausgangspunkt der Demonstrationen, die sich im August an Benzinpreiserhöhungen entzündet hatten und inzwischen zu einer Massenbewegung für Demokratie und Freiheit geworden sind. Es sind die schwersten Proteste seit 1988, als die seit über 40 Jahren mit eiserner Hand regierenden Generäle eine Demokratiebewegung zusammenschießen ließen. Dabei kamen etwa 3 000 Menschen ums Leben.

Die Weltgemeinschaft forderte die herrschenden Militärs erneut zur Zurückhaltung auf. Der britische Premierminister Gordon Brown forderte, noch am Mittwoch eine Sitzung des Uno-Sicherheitsrats einzuberufen. Menschenrechtsverletzungen dürften nicht straflos bleiben, forderte Brown am Rande des Labour-Parteitags in Bournemouth. Der von Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon ernannte Sonderbeauftragte sollte sofort nach Rangun geschickt werden. Brown werde im Laufe des Tages mit Ban und anderen Regierungschefs telefonieren, ergänzte sein Sprecher. Außenminister David Miliband wollte nach New York fliegen, wo derzeit die UN-Generalversammlung tagt.

Auch der Verband Südostasiatischer Nationen (Asean), deren Mitglied das international isolierte Birma ist, und die Europäische Union mahnten Zurückhaltung an. Frankreich erklärte, das Regime werde für alle Gewalttaten gegen die Bevölkerung zur Rechenschaft gezogen.

Amnesty International forderte China auf, mäßigend auf die Militärjunta einzuwirken. China ist engster Partner Birmas und will sich offiziell in dem Konflikt neutral verhalten. Vertreter der birmanischen Opposition berichteten jedoch, sie hätten insgeheim Kontakte zu chinesischen Funktionären gehabt. „Sie haben uns offiziell nicht anerkannt und wollen auch keine formellen Beziehungen, aber ich glaube, sie wollen unsere Lage und Ansichten kennenlernen“, sagte Zinn Lin von einer in Thailand ansässigen Exil-Regierung.

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