Myanmar
Erste Einheiten verweigern Junta den Gehorsam

In Myanmar könnte sich eine Wende andeuten: Einem Oppositionsbericht zufolge haben sich Soldaten geweigert, auf Mönche und andere Demonstranten zu schießen. Um die Übermittlung von Bildern und Berichten zu verhindern, hat die Militärführung unterdessen die Anbindung des Landes ans Internet unterbrochen.

HB RANGUN. Der in Oslo ansässige oppositionelle Rundfunksender Voice of Burma berichtete am Freitag, in der zweitgrößten Stadt Mandalay hätten Soldaten der 33. Division den Gehorsam verweigert und nicht wie angeordnet auf Oppositionelle geschossen. Mandalay hat eine Million Einwohner, in ganz Myanmar leben etwa 54 Millionen Menschen.

In der Hauptstadt Rangun gingen dagegen am Freitag erneut Sicherheitskräfte mit Gewalt gegen Demonstranten vor. In Berichten war erneut von Schüssen die Rede. Der britische Botschafter Mark Canning sagte CNN, es sei nicht klar, ob es sich um Warnschüsse handelte oder ob die Sicherheitskräfte wie in den Vortagen auch in die Menge feuerten. Die US-Geschäftsträgerin in Rangun, Shari Villarosa, sagte dem Sender, in der Stadt seien weniger Demonstranten auf den Straßen als am Vortag.

Nach offiziellen Angaben waren am Donnerstag neun Menschen bei den Protesten getötet worden. Westliche Diplomaten in Rangun gehen indes davon aus, dass die Zahl der Opfer in Wirklichkeit wesentlich höher liegt. Es gebe unbestätigte Berichte, dass es nicht nur zehn Todesopfer, sondern viel mehr seien, sagte der australische Botschafter in Birma, Bob Davis, am Freitag. Er habe vor Beginn des Ausgehverbotes am Donnerstag mit zahlreichen Menschen gesprochen. Eine genaue Zahl könne jedoch nicht genannt werden.

Den Ausfall des Internet begründete die staatliche Telekommunikationsgesellschaft von Myanmar mit dem Bruch einer unterseesischen Kabelverbindung. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass die Verbindung vom Militär gekappt wurde, um die Verbreitung von Informationen zu den Massenprotesten zu erschwerden. Internet-Cafes blieben am Freitag geschlossen. Der Auskunftsdienst des größten Internet-Anbieters war telefonisch nicht mehr zu erreichen.

Bürger-Journalisten gehören zu den Hauptinformanten über die Demokratiebewegung und die Niederschlagung der Proteste in den vergangenen Tagen. Sie nutzen sogar Kontakt-Seiten im Internet dafür, ihre Berichte und Bilder nach draußen zu schmuggeln. Oppositionelle Nachrichtenorganisationen haben ihrerseits das Internet als Übermittlungsweg genutzt.

Die weit verbreitete Nutzung moderner Technologien durch die Demonstranten und die Opposition ist einer der größten Unterschiede zur Protestbewegung von 1988, als es Tage dauerte, bis Berichte über um sich schießende Soldaten an die Öffentlichkeit gelangten.

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