Myanmar
Gericht schließt Prozess gegen Suu Kyi ab

Der Prozess gegen die birmanische Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi ist am Dienstag mit einer letzten Erklärung der Verteidiger zu Ende gegangen. Das Gericht in Rangun nannte auch schon einen Termin für die Urteilsverkündung.

HB RANGUN. Das Urteil soll bereits am kommenden Freitag verkündet werden. Nach dem letzten Prozesstag zeigte sich Verteidiger Nyan Win skeptisch: „Ich habe noch nie erlebt, dass ein Angeklagter in einem politischen Prozess freigesprochen wird.“ Auch die meisten Beobachter erwarten, dass die Friedensnobelpreisträgerin schuldig gesprochen wird, gegen Auflagen ihres Hausarrests verstoßen zu haben. Die Höchststrafe dafür beträgt fünf Jahre Haft. Es wird aber auch für möglich gehalten, dass die Haftzeit in Hausarrest umgewandelt wird. Die Vorsitzende der Nationalen Liga für Demokratie (NLD) hat von den vergangenen 20 Jahren 14 in Hausarrest verbracht.

Die Verteidiger gaben am Dienstag ihre Erwiderung zum Schlussplädoyer der Staatsanwaltschaft ab. Die Angeklagte stand zum Abschluss des Prozesses auf und wandte sich an die Diplomaten aus Japan Singapur, Thailand und den USA, die am letzten Tag als Prozessbeobachter zugelassen waren. „Sie dankte uns dafür, dass wir uns für ein gerechtes Ergebnis eingesetzt haben“, sagte ein Diplomat.

Das Verfahren vor einem Sondergericht im berüchtigten Insein-Gefängnis der Hafenmetropole Rangun wird von westlichen Diplomaten und Regierungen als Schauprozess verurteilt. Westliche Beobachter befürchten, dass Suu Kyi schuldig gesprochen wird.

Auslöser für das Verfahren war der unerwünschte Besuch eines US-Bürgers, der über einen See zum Haus von Suu Kyi schwamm war und zwei Tage von ihr aufgenommen wurde. Daraufhin wurde die 64-Jährige in das Insein-Gefängnis gebracht. Mitangeklagt sind der US-Bürger John Yettaw sowie zwei Mitarbeiterinnen von Suu Kyi.

In Dublin feierten am Montagabend 80 000 Menschen bei einem Konzert der irischen Popband U2 die birmanische Oppositionsführerin. Leadsänger Bono gab dabei bekannt, dass Suu Kyi von der Menschenrechtsorganisation Amnesty International zur Botschafterin des Gewissens ernannt worden sei. „Ihr Verbrechen besteht darin, dass sie die Wahlen gewinnen würde, wenn sie daran teilnehmen dürfte“, sagte Bono. Er hoffe, dass diese neuerliche internationale Auszeichnung dazu beitragen werde, ihr Leben zu schützen, sagte Bono. Die für die asiatisch-pazifische Region zuständige stellvertretende AI-Direktorin Donna Jean Guest erklärte, Amnesty hoffe, dass Suu Kyi eines Tages die Ehrung persönlich entgegennehmen könne. Die Auszeichnung wurde zum sechsten Mal verliehen. Bisherige Träger sind unter anderen Peter Gabriel, Nelson Mandela und Václav Havel.

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