Myanmar
Soldaten erschießen Fotografen in Rangun

Den gewaltsamen Übergriffen von Polizei und Militär in Myanmar ist mindestens ein Ausländer zum Opfer gefallen: Zusammen mit einheimischen Demonstranten wurde ein japanischer Fotograf von Sicherheitskräften erschossen. Inzwischen ist sogar von zwei toten Fotoreportern die Rede.

HB RANGUN. Das Außenministerium des Landes unterrichtete die Regierung Japans am Donnerstag darüber, dass eine Leiche mit japanischem Pass gefunden worden sei. Mitarbeiter der Botschaft seien auf dem Weg in das Krankenhaus, in das die Leiche gebracht worden sei. In Myanmar halten sich nach offiziellen Angaben aus Tokio 600 Japaner auf. Augenzeugen in Rangun berichteten zudem, ein weiterer Ausländer, dessen Nationalität zunächst nicht bekannt war, sei erschossen worden, als er versucht habe, eine Barrikade der Polizei zu passieren.

Die Sicherheitskräfte hatten am Donnerstag eine Demonstration von mehreren tausend Menschen in Rangun aufgelöst und dabei erneut in die Menge geschossen. Wie Augenzeugen berichteten, schossen die Soldaten mit Schnellfeuerwaffen in die Menschen. Von insgesamt neun Toten ist in Berichten des Exilsenders Demokratische Stimme Birmas die Rede.

Bis zu 70 000 Demonstranten hatten zuvor den Warnungen der Militärregierung getrotzt und waren erneut auf die Straße gegangen. In Sprechchören forderten einige: „Gibt uns Freiheit“. Mindestens fünf Demonstranten seien festgenommen und schwer geschlagen worden, hieß es. Tausende Menschen liefen nach den Schüssen durch die Straßen, auf denen blutigen Sandalen lagen.

Zur Verhinderung weiterer Proteste hatten birmanische Soldaten bereits in der Nacht Klöster in der Hafenstadt Rangun gestürmt und mehr als 100 Mönche festgenommen. Augenzeugen berichteten, die Mönche seien geschlagen und schreiend aus den Klöstern abtransportiert worden. In anderen Berichten ist sogar von 300 Festnahmen die Rede.

Am Donnerstag, als rund 10 000 Demonstranten in der Nähe der abgeschirmten Sule-Pagode schwer bewaffneten Sicherheitskräften gegenüberstanden, waren nur noch wenige Mönche darunter. Sie waren bislang die Speerspitze der größten Massenproteste in Birma seit Niederschlagung der Demokratiebewegung im Jahr 1988.

Chinas Regierung forderte die Militärregierung am Donnerstag erneut zur Zurückhaltung auf Mit den gegenwärtigen Problemen müsse „angemessen umgegangen“ werden, sagte die Sprecherin des Außenministeriums, Jiang Yu. „Wir hoffen, dass alle Parteien Zurückhaltung wahren.“ Es müsse vermieden werden, „dass die Situation eskaliert und komplizierter wird“. Sonst sei die Stabilität in Myanmar und in der Region gefährdet. Im Uno-Sicherheitsrat in New York war eine Verurteilung des Blutvergießens in Myanmar in der Nacht zum Donnerstag am Widerstand Chinas gescheitert.

Deutschland und weitere EU-Länder verschärften am Donnerstag ihre Hinweise für Reisen nach Myanmar. Das Auswärtige Amt rät ab sofort von „nicht unbedingt notwendigen“ Besuchen ab. Die politische Lage im ganzen Land, insbesondere in den großen Städten, sei gespannt, heißt es in den aktuellen Hinweisen. Verwiesen wird auf das von der Militärjunta verhängte Versammlungsverbot und die nächtliche Ausgangssperre.

Nach Schätzungen halten sich derzeit etwa 150 Deutsche in Birma auf. Bei den meisten handelt es sich um Geschäftsleute und Mitarbeiter von Tourismusunternehmen. Nach aktuellen Erkenntnissen sollen sich noch etwa 50 deutsche Touristen im Land aufhalten.

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