Myanmar
Und nachts kommen die Schergen der Generäle

Nach dem gewaltsamen Vorgehen gegen friedliche Demonstranten in Myanmar setzt die Militärjunta ihre Einschüchterungstaktik fort. Militärpolizisten fuhren am Mittwochmorgen durch die Straßen von Rangun und drohten über Lautsprecher mit der Festnahme von Regimegegnern: „Wir haben Fotos. Wir werden Verhaftungen vornehmen.“

HB RANGUN. Bewohner in der Umgebung der Schwedagon-Pagode berichteten, dass die Polizei in der Nacht einige Dutzend Häuser durchsucht und mehrere Männer festgenommen habe. „Sie gehen in die Häuser und nehmen Leute mit“, sagte auch die amtierende US-Botschafterin in Myanmar, Shari Villarosa. Mitarbeiter der Botschaft hätten mehrere Klöster aufgesucht und festgestellt, dass sie völlig menschenleer seien. Einige seien von Soldaten abgeriegelt gewesen. „Es gibt wesentlich weniger Mönche auf den Straßen“, sagte Villarosa. „Was ist mit ihnen geschehen?“

Eine Sprachlehrerin sagte in Rangun, sie glaube nicht, dass die Protestbewegung bereits völlig zerschlagen sei. „Es gibt Hoffnung, aber wir haben Angst zu hoffen. Wir träumen immer noch davon, unsere Kinder in einem Land aufzuziehen, in dem jeder gleiche Chancen hat.“ Viele Bewohner von Rangun entwickelten unterdessen eine neue Form des Protests: Während der abendlichen Nachrichtensendung im staatlichen Fernsehen schalteten sie Fernsehgeräte und das Licht aus.

Bei der Auflösung friedlicher Protestmärsche von buddhistischen Mönchen und Anhängern der Demokratiebewegung wurden nach Angaben von Dissidenten bis zu 200 Menschen getötet und 6 000 verhaftet. Die Behörden gaben die Zahl der Todesopfer vom 26. und 27. September mit zehn an. Einer von ihnen war der japanische Kameramann Kenji Nagai, dessen Leiche am Mittwoch nach Tokio geflogen wurde. Der japanische Außenminister Masahiko Komura sagte, dass eine Einschränkung der Entwicklungshilfen für Birma erwogen werde.

Der Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen verurteilte am Dienstag das gewaltsame Vorgehen der Militärjunta in Myanmar . Das Gremium verabschiedete auf einer Sondersitzung in Genf eine Entschließung, in der eine sofortige Untersuchung der Vorgänge in dem südostasiatischen Land gefordert wird.

Der Uno-Gesandte für Birma, Ibrahim Gambari, beendete am Dienstag seine viertägigen Gespräche in dem südostasiatischen Land und flog nach New York zurück. An seinem letzten Tag wurde er nach wiederholten Bitten zu einem Treffen mit Juntachef General Than Shwe vorgelassen. Die Begegnung fand am neuen Regierungssitz in Naypyitaw statt. Anschließend flog Gambari nach Rangun, um ein zweites Mal mit Suu Kyi zu sprechen. Dieses zuvor nicht angekündigte Treffen in einem Gästehaus der Regierung weckte Hoffnungen, dass Gambari mit seiner Pendeldiplomatie einige Fortschritte erzielen konnte. „Dies ist ein sehr positives Zeichen“, sagte ein asiatischer Diplomat. „Wir haben Anlass zur Hoffnung, dass die Suche nach einem nationalen Versöhnungsprozess begonnen hat.“

Vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen wandte sich der Außenminister Nyan Win gegen ausländische Einmischung in die inneren Angelegenheiten seines Landes, das von der Militärjunta in Myanmar umbenannt wurde. Die Sicherheitskräfte hätten mit Zurückhaltung reagiert, „um die Situation wiederherzustellen“.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%