Mysteriöser Brief eingetroffen
Verwirrung um Irans Antwort im Atomstreit

Iran hat im Streit um sein Atomprogramm mit einiger Verspätung auf ein Angebot des Westens geantwortet. Das bestätigte das Büro des außenpolitischen Vertreters der Europäischen Union am Dienstagabend. Der Inhalt des Schreibens ist allerdings bisher völlig unklar.

BRÜSSEL/BERLIN. Der Westen hatte Iran politisches und wirtschaftliches Entgegenkommen in Aussicht gestellt, wenn die Regierung in Teheran auf die Urananreicherung verzichtet.

Das Antwortschreiben Irans sei noch nicht analysiert worden, sagte ein EU-Diplomat. Sie sei am Dienstag von Iranern in Brüssel übergeben worden. Die Frist für eine Antwort ist eigentlich am Samstag abgelaufen. Weil bislang keine Antwort einging, wollten die fünf ständigen Uno-Sicherheitsratsmitglieder und Deutschland weitere Uno-Sanktionen gegen Teheran durchsetzen.

Bereits heute wollen die Vetomächte und Deutschland in einer Telefonkonferenz über das weitere Vorgehen beraten. Dabei solle auch die Antwort aus Teheran analysiert werden, sagte ein Sprecher des US-Außenministeriums in Washington. Die USA haben sich bereits für neue Sanktionen ausgesprochen, falls Iran nicht auf das jüngste Verhandlungsangebot eingeht. Auch Deutschland, Frankreich und Großbritannien wollen den Druck auf das Mullah-Regime in Teheran verstärken. Die Haltung Russlands und Chinas ist noch unklar.

Das Angebot sah eine sechswöchige Unterbrechung des umstrittenen iranischen Atomprogramms vor. Im Gegenzug wollte der Westen für sechs Wochen auf weitere Uno-Sanktionen verzichten. Nach dem sogenannten „double freeze“ sollten Verhandlungen über einen endgültigen Stopp des Atomprogramms und eine umfassende wirtschaftliche und politische Kooperation mit dem Westen beginnen. „Das ist ein wirklich attraktives Paket“, sagte der Brüsseler EU-Diplomat.

Es war ein ständiges Hin und Her: Gestern Morgen hieß es aus Teheran, die Regierung habe einen Brief nach Brüssel geschickt. Bis zum Nachmittag war das Schreiben immer noch nicht im Büro von EU-Chefdiplomat Javier Solana eingetroffen. Dann kam noch ein Dämpfer aus Teheran: Bei dem Brief handele es sich nicht um die erhoffte Antwort, sagte ein hoher Regierungsbeamter der Nachrichtenagentur ISNA. Das Schreiben sei vielmehr eine Niederschrift eines Telefongesprächs zwischen Solana und dem iranischen Chefunterhändler Said Dschalili. Am Abend wurde dann in Brüssel der Eingang eines Briefs aus Teheran bestätigt; Inhalte wurden nicht bekannt.

Seite 1:

Verwirrung um Irans Antwort im Atomstreit

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%