Nabucco-Pipeline
Tückische Leitung

Die Alternative zur russischen Herrschaft über den europäischen Gasmarkt ist die Nabucco-Pipeline, die ab 2014 Gas nach Deutschland transportieren soll. Bis heute besteht Uneinigkeit darin, woher soll das Gas stammen soll. Die größten Erdgasreserven befinden sich im Iran – doch eine Kooperation mit Teheran ist politisch bedenklich.
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Westeuropa braucht immer mehr Erdgas und hat immer weniger davon. Produzent Großbritannien ist zum Netto-Importeur geworden, die Reserven der Niederlande gehen zur Neige, und von der deutschen Erdgasförderung zwischen Weser und Elbe werden bald nur noch die Geschichtsbücher berichten. So wächst die Abhängigkeit vom Import – und der Bau von Pipelines wird zum Milliardengeschäft.

Und zum Politikum: Bis auf Norwegen sind alle wichtigen Gas-Exporteure politisch und wirtschaftlich problematisch. Alexej Miller, als Gazprom-Chef oberster Energie-Funktionär im Reich Wladimir Putins, hat es derzeit geradezu darauf abgesehen, die Kundschaft in Panik zu versetzen. Für 2008 prognostiziert er einen durchschnittlichen Gaspreis von 354 Dollar für 1000 Kubikmeter. Das sind ungefähr 40 Prozent mehr als bisher. Deutschland, dessen Gasverbrauch im kommenden Jahr deutlich über 100 Milliarden Kubikmeter betragen wird, wovon rund 40 Prozent aus Russland kommen, müsste dann auch bei einem weiter schwachen Dollar rund zehn Milliarden Euro an Gazprom überweisen.

Um die Abhängigkeit vom russischen Angebot zu verringern, wird Nabucco gebaut – eine lange, teure Erdgasleitung, die von der türkischen Ostgrenze durch den Balkan und Ungarn bis nach Österreich reichen soll. Von dort könnte das Gas ab 2014 über bereits existierende Pipelines nach Tschechien, Deutschland und noch weiter nach Westen transportiert werden.

Errichtet wird die Leitung von einem Konsortium unter Führung des österreichischen Energiekonzerns OMV. Mit dazu gehören die führenden Energiekonzerne aus Ungarn, Rumänien, Bulgarien und der Türkei. Die Konsorten haben dem Projekt den schönen Namen gegeben, nachdem ihre Top-Manager in Wien gemeinsam in der Staatsoper die gleichnamige Verdi-Oper gesehen hatten. Bei dem offenbar inspirierenden Opernbesuch fehlte noch ein westeuropäischer Partner. Das wird demnächst der Essener Energiekonzern RWE sein – mit welchem Anteil ist noch nicht klar.

Damit ist Gaz de France aus dem Rennen. Die Franzosen scheiterten am politisch motivierten Unwillen des türkischen Konzerns Botas, aber auch an Staatspräsident Nicolas Sarkozy, dem Erdgas aus Algerien sympathischer ist als aus dem Iran.

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