Nach 30 Jahren der Kontrolle
Syrien beginnt mit Truppenabzug aus dem Libanon

Syrien will offenbar bereits am Montag mit dem Abzug seiner Truppen aus dem Libanon beginnen. Die Führungen beider Staaten würden sich am Montag für die Genehmigung des am Samstag vom Syriens Präsident Baschar al-Assad angekündigten Truppenrückzugsplans treffen, sagte Verteidigungsminister Abdul Rahim Mrad am Sonntag der Nachrichtenagentur Reuters. Gleich danach werde der Truppenrückzug beginnen.

HB BEIRUT. Die libanesische Presse würdigte den Plan am Sonntag als historischen Schritt, der nach 30 Jahren syrischer Kontrolle ein neues Kapitel in der Geschichte des Landes aufschlage. Tausende libanesischer Oppositionsanhänger feierten auf den Straßen der Hauptstadt Beirut. Die libanesische Freischärler-Gruppe Hisbollah rief die Bevölkerung unterdessen auf, am Dienstag mit Massendemonstrationen Unterstützung für Syrien zu zeigen und gegen ausländische Einmischung zu protestieren.

Die USA hatten Syriens Ankündigung eines schrittweisen Abzugs seiner Truppen aus dem Libanon als unzureichend kritisiert. Sie forderten einen kompletten und sofortigen Abzug der Truppen. „Die internationale Gemeinschaft wird nicht herumstehen und Assad weiterhin diese Art von halbherzigen Maßnahmen ergreifen lassen“, sagte ein Berater der US-Regierung. Assad müsse stattdessen die internationalen Forderungen erfüllern. In US-Kreisen hieß es, die Regierung erwäge neue Sanktionen gegen Syrien. Die wirft der Regierung in Damaskus vor, den Terrorismus zu unterstützen und so einen Frieden im Nahen Osten zu behindern. Die Europäische Union (EU), Russland und Großbritannien bezeichneten die Ankündigung als ersten Schritt auf dem Weg eines schnellen und vollständigen Rückzugs.

Nach massivem internationalem Druck hatte Assad einen schrittweisen Abzug seiner Soldaten angekündigt, die das Land dort seit dem Bürgerkrieg Mitte der 70er Jahre stationiert hat. Die Zahl der syrischen Soldaten in Libanon liegt derzeit bei etwa 14.000. Ein konkretes Datum für den Abzug hatte Assad in seiner Rede vor dem Parlament nicht genannt.

UN-Generalsekretär Kofi Annan will einem Sprecher zufolge diese Woche seinen Sondergesandten Terje Roed-Larsen nach Beirut und Damaskus schicken, um dort über die vollständige Umsetzung der Resolution 1559 des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen (UN) zu sprechen, die einen Abzug der Truppen fordert.

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