Nach 50 Jahren Kuba und USA beenden Eiszeit

Die Feindschaft zwischen Kuba und den USA dauerte Generationen, jetzt zeichnet sich ihr Ende ab: Beide Länder vereinbaren die Aufnahme diplomatischer Beziehungen. Doch längst nicht alle Probleme sind ausgeräumt.
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Historische Annäherung von USA und Kuba

WashingtonNach mehr als 50 Jahren nehmen die USA und Kuba wieder diplomatische Beziehungen auf. Es sei eine Vereinbarung erzielt worden, Botschaften in Washington beziehungsweise Havanna zu eröffnen, sagten Vertreter der US-Regierung am Dienstag in Washington.

Präsident Barack Obama werde am Mittwoch dazu Stellung nehmen, verlautete aus Washington. Auch Außenminister John Kerry, der sich wegen der Atomverhandlungen mit dem Iran in Wien aufhält, werde sich dazu äußern.

Seit Ende der 70er Jahre unterhalten die USA und Kuba im jeweils anderen Land Missionen, die diplomatisch unter dem Schutz der Schweiz stehen. Diese haben nicht gleichen Status wie Botschaften.

Wer von der wirtschaftlichen Annäherung profitiert
Historisches Treffen in Panama
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Kuba und die USA nähern sich nach jahrzehntelanger Eiszeit wieder an: Mit einer Aufnahme der diplomatischen Beziehungen und Erleichterungen für Handel, Finanzbranche und Tourismus. Einige Experten sind zuversichtlich, dass Amerika sogar noch dieses Jahr das Embargo gegen Kuba aufheben könnten. Wer könnte alles profitieren?

Warten auf die amerikanischen Produkte: Eine Frau auf Kuba
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Seit gut 53 Jahren unterhielten die amerikanische und kubanische Regierung keine wirtschaftlichen Beziehungen. Das Kuba-Embargo gilt als die älteste noch existierende Wirtschaftsblockade der Neuzeit. Wie kam es dazu? Als Fidel Castro 1959 nach einen zweijährigen Guerillakampf den vormals regierenden Diktator Batiste zur Flucht zwang, verstaatlichte die neue Regierung das Eigentum von US-Bürgern und US-Unternehmen. Grund genug für den damaligen US-Präsidenten Dwight D. Eisenhower, die Handelsbeziehungen mit Kuba im Oktober 1960 auf Eis zulegen. Bis heute...

Imperial Tobacco
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Profitieren könnten vor allem Exporteure kubanischer Produkte wie die britische Imperial Tobacco, die über das weltweite Exportmonopol der berühmten kubanischen Zigarren verfügt. Cohibas und Montecristos verkaufen die Briten nur noch nicht in den USA, dem weltgrößten Zigarrenmarkt. Eine Importliberalisierung würde die Umsätze natürlich in die Höhe schiessen lassen.

Pernod Ricard
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Ähnlich vertreibt der französische Schnapshersteller Pernod Ricard weltweit die kubanische Rummarke Havana Club. Nur in den USA wird die Marke - nach einem jahrelangen Streit - vom Rivalen Bacardi vertrieben, der den Markenamen vor 20 Jahren der von kubanischen Revolutionären enteigneten Eigentümerfamilie Arechabala abgekauft hat. Sollten kubanische Erzeugnisse bald in die USA exportiert werden dürfen, ist mit neuen Streitigkeiten zu rechnen.

Coca-Cola, ExxonMobil & Co.
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Neuen Streit könnte es nicht nur um Rum geben. Auch Unternehmen wie Coca-Cola, ExxonMobil und Colgate-Palmolive könnten versuchen, nachträglich für die Verstaatlichung durch die Revolutionäre entschädigt zu werden, schreibt das Magazin Wirtschaftswoche. Einige Unternehmen sollen sich schon länger darauf vorbereiten, Klagen gegen Kuba zu erheben.

Office Depot
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Exotisch ist auch der Fall des Büroartikelherstellers Office Depot, dem nach mehreren Fusionen der staatliche kubanische Stromproduzent gehört - zumindest auf dem Papier. Im Revolutionsjahr versorgte das Unternehmen 90 Prozent Kubas mit Strom.

Freeport McMoRan
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Entschädigungen für eine enteignete Nickel-Kobald-Mine verlangt auch der US-Bergbaukonzern Freeport McMoRan Copper & Gold.

Die Überwindung der Feindschaft zwischen beiden Ländern gilt als einer der größten außenpolitischen Erfolge von Präsident Obama. Erst Ende des Jahres hatten das sozialistische Kuba und die USA überraschend ihre jahrzehntelange Eiszeit beendet. Im April trafen Obama und Kubas Staatschef Raúl Castro in Panama-Stadt zusammen. Es war das erste Treffen von Staatoberhäuptern beider Länder seit der kubanischen Revolution 1959.

Im Mai hatte Washington Kuba von der Liste derjenigen Länder gestrichen, die Terrorismus unterstützen. Damit erfüllte Washington zugleich eine der wichtigsten Forderungen Havannas für eine Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen.

Aber auch nach der Eröffnung von Botschaften wird es noch eine Reihe von Problemen zwischen beiden Ländern geben. Ungeklärt ist etwa die Frage der Entschädigung für auf Kuba beschlagnahmten amerikanischen Besitz, aber auch ein möglicher Schadenersatz für die Folgen des jahrzehntelangen US-Embargos gegen Kuba.

Dieses Embargo besteht noch immer. Obama würde es gerne aufheben, dagegen gibt es aber weiter Widerstand im Kongress, vor allem vonseiten der Republikaner. 

  • dpa
  • ap
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