Nach abgesagter Rede
König vergrößert Thailands Machtvakuum

Bangkok feiert heute den 81. Geburtstag von Thailands König mit prächtigen Bootsparaden und einer märchenhaften Lichterschau. Doch die Stimmung im Land des Lächelns ist gedrückt – denn der geliebte Monarch hat sich ausgerechnet in der schwersten Krise seines Lands krank gemeldet. Das politische Chaos geht weiter.

BANGKOK. Von weit her waren Thailands Königstreue am Donnerstag angereist, um die traditionelle Rede von König Bhumibol Adulyadej am Vorabend seines Geburtstages zu hören. Alle politischen Beobachter spitzten die Ohren, um aus Bhumibols Zwischentönen herauszuhören, in welche Richtung das politisch zerrissene Lands driftet. Doch dann geschah das Undenkbare: Zum ersten Mal seit 62. Jahren ließ der Monarch seine Rede ausfallen und schickte seine älteste Tochter und den Kronprinzen vor.

Ihr Vater sei „ein wenig krank“, habe ein Halsentzündung und sei schwach, sagte Prinzessin Maha Chakri Sirindorn. Er habe jedoch kein Fieber, schon bald werde es im wieder gut gehen. An Bhumibols Stelle hielt Kronprinz Vajiralongkorn eine kurze Ansprache vor verdienten Vertretern des Volkes. Der 57-Jährige bewegte sich in dem komplizierten höfischen Protokoll sichtlich unwohl und unsicher. Jede auch nur ansatzweise politische Aussage vermied er peinlichst.

Nach der achttägigen Blockade der Flughäfen von Bangkok und dem Verbot der Regierungspartei durch das Verfassungsgericht war Bhumibols Rede mit großer Spannung erwartet worden. Denn der im Volk hoch angesehene Monarch gilt als letzte moralische Instanz des Landes, die Worte des Königs zu ignorieren kann sich niemand leisten.

Dabei ist Bhumibol Adulyadej in den 62 Jahren seiner Amtszeit einen weiten Weg gegangen. Als er 1946 nach dem Tod seines älteren Bruders auf den Thron kam galt er eher als Kosmopolit: in den USA geboren, in der Schweiz aufgewachsen, ein Jazztrompeter, der lieber mit Benny Goodman musizierte als sich dem höfischen Protokoll zu beugen. Doch dann kam ein tiefer Wandel: Der König bereiste die Provinz, engagierte sich für die Bauern und erforschte Bewässerungssysteme. Das brachte ihm eine tiefe Verehrung im Volk ein.

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