Nach Absage an Euro-Bonds Juncker sauer auf Merkels „uneuropäische Politik“

Während Schuldenländer wie Portugal und Italien im Kampf gegen die Schuldenkrise immer lauter nach gemeinsamen Euro-Anleihen rufen, stellt sich die Bundesregierung bislang stur und weckt damit den Zorn von Jean-Claude Juncker. Der Präsident der Euro-Gruppe wirft Deutschland eine "zu simple" und "uneuropäische" Denkweise vor.
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Präsident der Euro-Gruppe: Jean-Claude Juncker Quelle: dpa

Präsident der Euro-Gruppe: Jean-Claude Juncker

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HB BERLIN/BRÜSSEL. Im Streit um gemeinsame Anleihen der Euro-Zonen-Länder wirft Luxemburgs Ministerpräsident Jean-Claude Juncker Deutschland eine unzulässige Vereinfachung gegnerischer Positionen vor. "Man lehnt unseren Vorschlag ab, bevor man ihn studiert hat", sagte der Euro-Gruppen-Chef in einem Interview mit der Wochenzeitung "Die Zeit". Diese Art, in Europa Tabuzonen zu errichten und sich nicht mit den Ideen anderer zu beschäftigen, wundere ihn sehr.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte am Wochenbeginn Euro-Bonds abgelehnt. Sie fürchtet, bei einem einheitlichen Zinssatz für alle Euro-Länder würde der Anreiz zum Sparen und für schmerzhafte Wirtschaftsreformen geringer. Juncker sagte dazu, bei seinem Vorschlag käme es mitnichten zu einem einheitlichen Zinssatz. Stattdessen würden "wir einen Teil der nationalen Schuld auf europäischer Ebene bündeln und mit Euro-Anleihen bedienen. Der größte Teil der Schulden würde aber zu nationalen Zinssätzen verzinst."

Der Vorschlag stoße in Deutschland nur deswegen auf Widerstand, weil man reagiere, "ohne dem Vorschlag unter den Rock zu schauen", sagte Juncker. Er hielt der schwarz-gelben Koalition "eine uneuropäische Art europäische Geschäfte zu erledigen" vor und ergänzte: "Deutschland denkt da ein bisschen simpel."

Portugal hatte sich am Dienstag der Forderung Italiens und Luxemburgs angeschlossen, die Staatsschulden künftig über gemeinsame Euro-Anleihen zu finanzieren. Auch der Internationale Währungsfonds (IWF) fordert eine umfassende Lösung, statt Land für Land unter den von ihm mitgetragenen Euro-Schutzschirm zu ziehen. "Die Salamitaktik ist kein gutes Herangehen", mahnte IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn in Athen. Die Lage sei ernst.

Deutschland, Österreich und die Niederlande lehnen Eurobonds oder neue Milliarden für den Schutzschirm dagegen ab. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble forderte, unnütze Diskussionen über neue Initiativen einzustellen und das umzusetzen, was schon beschlossen sei. Strauss-Kahn hatte am Montagabend mit den Finanzministern diskutiert und ihnen nahegelegt, den Schutzschirm zu vergrößern. Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker berichtete nach der Sitzung dazu nur knapp, derzeit sei dies nicht notwendig.

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23 Kommentare zu "Nach Absage an Euro-Bonds: Juncker sauer auf Merkels „uneuropäische Politik“"

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  • Die heutige Eurozone erinnert mich an die Lage italiens als italien politisch noch nicht geeinigt war. Es gab verschieden selbständige italienische Republiken, Genua, Mailand, Piemont, Savoyen etc. etc.,
    Die einzelne italienische Republiken wurden immer wieder angegriffen, überrannt und besetzt ohne dass die andere italienische Republiken zur Hilfe kamen, eben weil es noch kein italien als politische Einheit gab. So ist es heute mit dem Euro, insgesamt hat die Eurozone weniger Schulden als z.bsp. Japan oder die USA. Das Problem für die Kapitalgeber ist dass die Euroanleihen nur von jedem Land allein garantiert werden. Daher der Risikoaufschlag und das Vertrauensmangel der investoren. Wenn die investoren oder Gläubiger befürchten müssen dass sie ihr Geld nur zum Teil zurück bekommen (Haircut) steigt der Risikoaufschlag enorm. Griechenland zahlt z.Z. 12% Zinsen. Die Überschuldete Länder werden irgendwann Zahlungsunfähigkeit anmelden mit schrecklichen Konsequenzen für den Euro.

  • Spuren wir einmal nicht im Sinne der EU und zahlen, sind wir sofort die bösen und buhmänner! Es wird Zeit, dass sich Deutschland endlich emanzipiert, auch selbstbewusster im eigenen interesse auftritt und seine Standpunkte auch bei stärkerem Gegenwind durchhält.

  • Trolle so habe ich es mittlerweile gehört, stammt aus dem bayerischen Raum und sind abstrakt ausgedrückt Leute die in internetseiten "irgendetwas" zum Ausdruck geben.

    Haben Sie eine andere Definition dafür parat oder wollen Sie mich bezichtigen ein Troll zu sein?

    Definieren Sie den Ausdruck Troll.

    ich definiere mich selber.

  • Frau Marianna Mayer, wissen Sie , was eine Trollwiese ist?

  • Euro-Demokratie, ich wollte und will den Euro so lange nicht, bis alle teilnehmenden Staaten die gleichen Kriterien in Steuern und Wohlfahrt unterhalten.
    Mal sehen ob unser neuer Grünen-bundeskanzler der Zukunft - Volksentscheide - dann immer noch möchte.

  • Der Schrotteuro gehört abgeschafft,Mastrichkreterien nicht eingehalten keiner hat das jeh getan,was bleibt eine materiell/technische basis und ringsherum ein Rettungsschirm für EU-Staaten am Tropf einer Transfergemeinschaft,von dieser Stelle aus rufe ich euch zu,wir die bRD haben 1,8 billionen Schulden,wo ist eure Solidarität.Ws her junker wollen sie denken sie ernsthaft mal darüber nach ein Schulessen zu bezahlen,einen Zeitarbeiter,Aufstocker,1 Eurojobber den Mist den ihr produziert habt zu erklären.es kotzt ein an mit der gesamten Mannschaft dort in brüssel,Verantwortung für euer krimminelles Verhalten übernehmen wollt ihr nicht nur Kohle fordern,haut endlich ab.

  • Richtig [16], genau das sehen wir ja bei Stuttgart21 und den ganzen anderen Projekten. Dies sind jedoch deutsche Projekte von deutschen durchgeführt. Die Last der Deutschen auf die EU abzuschieben und hier die Menschen mit genau dieser Argumentation zu Lasten der EU zu unterdrücken, ist die Vorgehensweise in Deutschland.

    Damit wird hier in Deutschland viel Geld verdient, mit genau dieser Unterdrückungsmethode.

  • Und hier etwas zum Demokratieverständnis eines der Häuptlinge der EUliten, dem guten Herrn Juncker:

    Jean-Claude Juncker erklärt seinen EU-Kollegen die Demokratie - SPiEGEL 52/1999
    #„Wir beschliessen etwas, stellen das dann in den Raum und warten einige Zeit ab, ob was passiert. Wenn es dann kein großes Geschrei gibt und keine Aufstände, weil die meisten gar nicht begreifen, was da beschlossen wurde, dann machen wir weiter - Schritt für Schritt, bis es kein Zurück mehr gibt.”

    Da soll sich mal jeder selbst drauf reimen, wie toll die Leistungen dieses "großen" Europäers sind. Vielen Dank!

  • Was in Deutschland perfekt funktioniert, der Abbau und die Hetze und die Ausgrenzung gegen die sogenannte Unterschicht die sich nicht wehren kann, funktioniert auf EU Ebene umso besser.

    Jetzt sind es die Leute die mit 50 Jahren in Rente gehen in anderen Ländern und angeblich faul sind, gegen die Leute die mit 67 in Rente gehen in Deutschland.

    Dieser Prozess des Gegeneinanders, ist gut durchorganisiert, wobei vergessen wird, dass die Leute die hier mit 63 noch arbeiten gehen und arbeiten gehen können, nicht in ihrem berufsleben verheizt worden sind, sondern hochbezahlt und gut gewerkschaftlich geschützt ihre eigene hohe Rente oder Pension vom Staat erhalten + ihre private Altersvorsdorge die sie sich von ihrem hohen Gehalt bequem finanzieren konnten.

    Währendessen werden genau an dieser Stelle wieder einmal die Unterschichten, nun eben in EU, gegeneinander ausgespielt.

  • Herr Juncker, man hat ihrem Vorschlag "unter den Rock geschaut", und deshalb sind wir nicht interessiert. Eine Transferunion kommt nicht in Frage! Und warum ist das mit der Eurozone alles eingetütet worden? Wegen blinden politischen Ehrgeizes, bar jeglicher ökonomischer Vernunft.
    Und die merkwürdigen Kommentare pro-Euro hier zeugen von einer Unkenntnis, die geradezu fahrlässig ist. Solche bekenntnisse sorgen dafür, dass Deutschland "braun" wird. Der Euro ist für Europa keine Friedensdividende - er ist ein französisches Projekt zum Eindämmen Deutschlands; eine Politik aus dem 19. Jahrhundert! Seitdem es den Euro gibt mit den jetzt hervortretenden Problemen, gibt es Streit in Europa. Der Euro wird die Schuld tragen am Auseinanderbrechen der Europäischen Union, wie wir sie heute kennen.
    Und die Hinweise auf die Vorteile der deutschen Exportindustrie vermag ich als Steuerzahler nicht zu teilen; ich habe keine Lust, auf meine Kosten der deutschen Exportindustrie eine Weichwährung zu ermöglichen. Wenn die deutschen Steuerzahler anderen Europäern das Geld für deren Konsum geben müssen, dann kann es auch hier im Land den Konstum steigern. Auch hier lassen sich bMWs und Mercedes verteilen. Daran allein erkennt man, dass die Lösung des Problems nur die Auflösung der Eurozone ist und wir zum früheren System des EWS zurückkehren, in dem die Flexibilität der Anpassung der europäischen Währungen untereinander gegeben war.
    Wenn die EUliten so weitermachen, gefährden sie den bestand der EU. insofern hat Frau Merkel Recht; Frau Merkel hat aber nicht das Mandat, von deutschen Steuerzahler die Alimentierung der PiiGS bis zum Staatsbankrott Deutschlands fortzuführen.

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