Nach Absage der USA
Polen setzt auf eigene Raketenabwehr

Nach der Absage von Präsident Barack Obama, ein amerikanisches Raketenabwehrsystem in Polen und Tschechien zu stationieren, will der polnische Rüstungskonzern Bumar nun ein nationales Abwehrsystem entwickeln. „Wir sind in der Lage, Schutzschirme nicht nur für Polen zu bauen, sondern auch für Nachbarstaaten“, sagte Bumar-Chef Edward Nowak.

BERLIN. Das meldete am Montag die Warschauer Zeitung „Rzeczpospolita“. Bumar-Chef Nowak habe dazu bereits Details mit Polens Verteidigungsminister Bogdan Klich besprochen. Bei dem Plan des Bumar-Projekts geht es um eine Weiterentwicklung des polnischen Raketensystems „Grom“. Bumar ist der größte polnische Rüstungskonzern, der Radare, Raketen, Munition und Panzerungen entwickelt, baut und auch exportiert.

Obama hatte vorige Woche entschieden, das zum Schutz gegen mögliche iranische Raketen in Polen und Tschechien geplante und von Russland heftig kritisierte US-Schutzschild dort nicht zu stationieren. Seither wird in Warschau diskutiert, was das für die Beziehungen der bisher engen Verbündeten in Osteuropa zu den USA bedeutet: „Es besteht eine gewisse Hoffnung, dass das Scheitern der Pläne für die US-Raketenabwehr wie eine kalte Dusche (auf Polen) wirkt und sich die (polnischen) Beziehungen zu Amerika normalisieren, ohne den idealistischen Ansatz. Es muss uns bewusst werden, dass Polens Rolle als 'Trojanisches Pferd' oder 'Trojanischer Esel' der USA in der Nato vorbei ist“, kommentierte die „Gazeta Wyborcza“.

Unterdessen hat der ranghöchste russische General Meldungen zurückgewiesen, denen zufolge der Kreml im Gegenzug zu Obamas Verzicht auf den Raketenschirm nun auf die Stationierung von „Iskander“-Raketen in seiner Ostsee-Exklave Kaliningrad verzichtet: „Es gab keine derartige Entscheidung. Es sollte eine politische Entscheidung sein. Sie sollte vom Präsidenten getroffen werden“, widersprach General Nikolaj Makarow am Montag dem russischen Verteidigungsminister. Moskau habe die Sorge, dass statt eines landbasierten amerikanischen Raketenabwehrschirms in Osteuropa nun schwimmende oder im Kaukasus stationierte US-Systeme in die Nähe Russlands rückten.

Der Hamburger ist nach Stationen als Auslandskorrespondent in Moskau, Brüssel und Warschau jetzt Auslandschef des Handelsblatts. Er interessiert sich besonders für Osteuropa, die arabische Welt und Iran.
Mathias Brüggmann
Handelsblatt / Korrespondent
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