Nach Abstimmungsniederlage
Cameron plant Kabinettsumbildung

Seine Pläne, im Syrienkonflikt international eine führende Rolle zu spielen, scheiterten am Unterhaus. Schuld daran war auch mangelnde Parteidisziplin. Mit einer Kabinettsumbildung will Premier Cameron für Ordnung sorgen.
  • 15

LondonNach seiner Schlappe im britischen Unterhaus will Premierminister David Cameron das Heft des Handelns wieder in die Hand nehmen. Nachdem das Votum über einen Militäreinsatz gegen Syrien auch an schlechter Organisation und mangelnder Parteidisziplin gescheitert sei, plane der Regierungschef eine Kabinettsumbildung, schreibt die Zeitung „Daily Telegraph“ (Samstag). Demnach sollen gleich mehrere Minister den Hut nehmen.

Darunter sei auch der für Fraktionsdisziplin verantwortliche Minister mit Sonderaufgaben, George Young, berichtete die Zeitung „Independent“. Er hätte dafür sorgen müssen, dass die konservativen Parlamentarier die Vorlage der Regierung in ausreichender Zahl unterstützen. Der Antrag war in der Nacht zum Freitag mit 285 zu 272 Stimmen abgelehnt worden.

Gegen die Vorlage der Regierung hatten auch 30 Parlamentarier aus der konservativen Partei Camerons gestimmt, 31 weitere stimmten gar nicht ab. Zwei Abgeordnete verpassten das Votum sogar, weil sie den Gong nicht gehört hatten, einer fehlte aus „logistischen und familiären Gründen.“ Drei weitere waren gar nicht erst zu der eilig einberufenen Sondersitzung erschienen, wie der „Telegraph“ berichtete.

Die fehlende Differenz von 13 Stimmen hätte man nach Meinung konservativer Kommentatoren mit einem sorgfältigeren Vorgehen durchaus zusammenkriegen können. Sie sprachen von einem „heillosen Durcheinander“ bei den Tories. Cameron, der sich sowohl zu Hause als auch in der Welt blamierte, sei ziemlich sauer, sagte ein Parteikenner dem Blatt.

Die Briten lehnen einen Militäreinsatz in Syrien mehrheitlich ab. Fast zwei Drittel sind dagegen, dass britische Streitkräfte in Syrien eingreifen, ergab eine Umfrage des Instituts YouGov für die Zeitung „The Sun“. In der Londoner Innenstadt versammelten sich am Samstag Demonstranten zu einem von der „Stop the war coalition“ organisierten Protest unter dem Motto „Kein Angriff auf Syrien“.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Nach Abstimmungsniederlage: Cameron plant Kabinettsumbildung"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • @never_ever

    Nein, ich war immer der Meinung, daß es nicht die Assad-Regierung war - einfach nach der Überlegung: Wem nutzt es?

    Entweder haben Sie mich dort mißverstanden oder Sie sind einem
    der "Anonymen-hafnersp" aufgesessen, die manchmal ihr Unwesen treiben. Ich schreibe als "registriertes Mitglied".

  • @ich_gestehe@hafnersp

    Da ist es ihm wohl zumindest dem Anschein nach ähnlich ergangen zu sein wie jetzt Obama. Die Frage ist natürlich nur, ob die britische Regierung das nicht schon vorher einkalkuliert hat. Sie müssen ja den Anschein der Bündnistreue zum Großen Bruder wahren, auch wenn sie andere Interessen verfolgen. Auch die publikumswirksame (und komplett sinnlose) Zertrümmerung von ein paar Computern des Guardian haben mich nicht völlig von ihrer bedingungslosen Treue überzeugt. Es gibt nichts verheerenderes für die Kriegspläne als eine eifrige Koalition der Willigen, die sich dann aber leider, leider auflöst.

    Israel sehe ich in dieser Hinsicht übrigens genauso. Die haben auch andere Interessen als die wahnsinnigen Extremisten-Pläne der USA, die langfristig die Existenz Israels mehr gefährden als ein Assad-Syrien.

  • Ein Racheakt? Auf jeden Fall ein sehr kleinliches Verhalten!

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%