Nach Amoklauf

Jetzt spricht die mächtige US-Waffenlobby

Vier Tage hat sie geschwiegen, nun hat sich die National Rifle Association zum Amoklauf in Newtown zu Wort gemeldet. Die Mitglieder seien schockiert und tieftraurig, hieß es. Präsident Obama will Sturmgewehre verbieten.
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Nach der Bluttat gingen Menschen in Washington auf die Straße, um gegen die National Rifle Association zu demonstrieren. Quelle: dpa

Nach der Bluttat gingen Menschen in Washington auf die Straße, um gegen die National Rifle Association zu demonstrieren.

(Foto: dpa)

Erstmals seit dem Amoklauf in Newtown hat sich die mächtige US-Waffenorganisation NRA zu der Tat geäußert und sich zutiefst "schockiert" gezeigt. Aus Respekt vor den Angehörigen und aus Anstand habe sie sich nicht eher geäußert und Zeit für "Trauer, Gebete und Ermittlungen" zu dem Vorfall gelassen, erklärte die NRA. Der Gouverneur im Bundesstaat Michigan legte sein Veto gegen ein Gesetz zum Tragen von Waffen ein.

Um die mächtigste Stimme der US-Waffenlobby war es in den Tagen nach dem Amoklauf vom vergangenen Freitag auffällig ruhig gewesen. In der auf ihrer Internetseite veröffentlichten kurzen Erklärung hieß es nun, die National Rifle Association (NRA) bestehe aus "vier Millionen Müttern und Vätern, Söhnen und Töchtern und wir sind schockiert und traurig" angesichts dieser "schrecklichen und sinnlosen Morde" in Newtown. Für diesen Freitag kündigte die NRA eine Pressekonferenz in Washington an.

Sie wolle zudem "Beiträge leisten", um dabei zu helfen, dass sich derlei Verbrechen nicht wiederholten, führte die NRA weiter aus, ohne jedoch ins Detail zu gehen. Den Verein gibt es seit 1871. Er vertritt die Sichtweise, dass mehr Waffen in Privathand ein Garant für Sicherheit sind, weil sich die Menschen dann selbst verteidigen könnten.

Am Freitag war ein 20-Jähriger schwerbewaffnet in eine Grundschule in Newtown im Bundesstaat Connecticut gestürmt und hatte 20 kleine Kinder und sechs Frauen erschossen, bevor er sich selbst richtete.

In der Folge der Bluttat war in den USA die Debatte über schärfere Waffengesetze wieder voll entfacht. US-Präsident Barack Obama kündigte mittlerweile an, er werde sich mit Nachdruck für eine Verschärfung des Waffenrechts einsetzen. Obama werde einen Gesetzentwurf der demokratischen Senatorin Dianne Feinstein zum Verbot bestimmter halbautomatischer Waffen wie Sturmgewehren "aktiv unterstützen", sagte der Sprecher des Weißen Hauses, Jay Carney.

Zudem trete der Präsident für ein Gesetz ein, das den Verkauf von Waffen durch Privathändler ohne eine Überprüfung der Käufer generell untersagt. Damit solle eine Gesetzeslücke geschlossen werden, die bislang den ungeregelten Verkauf auf Waffenmessen ermöglicht.

Sturmgewehr entwickelt sich zum Verkaufsschlager
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11 Kommentare zu "Nach Amoklauf: Jetzt spricht die mächtige US-Waffenlobby "

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  • man kann USA nicht mit Deutschland vergleichen.

    Da gibt es Gegenden, wo man ein paar Stunden auf die Polizei warten müsste...

    Wer bricht schon bei jemanden ein, wenn er damit rechnen muss, das dieser eine Waffe zu Hause hat...

  • @pedrobergerac: Ich kann Ihren Ausführungen nur beipflichten, die wahren Hintergründe werden doch von den meisten (medial verseuchten) Fernsehzuschauern nicht verstanden. Noch vor einigen Jahren gewann ein Bürger in Washington einen Prozess, dass er ein Waffe auch in Washington DC (wo das sonst verboten war!) tragen darf, mit der Begründung, er wolle sich nicht wehrlos einem bewaffnetem Verbrecher ergeben!!!!!

  • @ Rainer
    "Ihr Küchenmesser wird Ihnen schon niemand wegnehmen. "
    --------------------
    Es geht ja nicht um Küchenmesser. Aber schon das Führen eines simplen Einhand-Folders ist heute zu Tode reglementiert. Jeder Polizist kann so ein Messer einziehen und dann kann man sich mit den Behörden rumstreiten, ob man's wiederkriegt oder gar vor Gericht landet. Und alles nur, weil ein paar asoziale Jugendliche so ein Teil für das Aufpolieren ihres mickrigen Egos benutzten und die Behörden blinden Aktionismus zeigen mußten: Man tut ja was.
    Der Punkt ist, daß ich so einen Einhand-Folder im Grunde tagtäglich ein dutzendmal bräuchte. Er ist einfach PRAKTISCH, besonders, wenn man öfter nur eine Hand frei hat.
    Auch die Limitierung von Fixed Knifes auf 120 mm Klingenlänge (die man übrigens im Alltag im Gegensatz zu einem Einhand-Folder legal führen darf) wurde von Leuten ausgedacht, die vermutlich im Leben noch kein Messer angefaßt haben außer dem für's Brötchenschmieren und Frühstückseiköpfen. Diese Beschränkung auf 120 mm ist in sofern schwachsinnig, weil internationale Hersteller sich traditionell eher an Zollmaßen orientieren, also z.B. 5" (= 127 mm). Auch Serrations mit einer zweischneidigen Klinge gleichzusetzen ist einfach nur Unfug, denn die dienen dem Anreißen von Holz oder Kappen von Seilen, und machen eine Klinge als Kampfmesser eher ungeeignet.
    Ich frage mich manchmal, wes Geistes Kind Leute sind, die sich solche unsinnigen Regelungen ausdenken. Messer sind im Alltag Werkzeuge, sonst nichts!
    Hier schießt der Gesetzgeber weit über das Ziel hinaus und zeigt m.E. regelrecht hysterische Züge.

  • Ihr Küchenmesser wird Ihnen schon niemand wegnehmen. Das Gewaltmonopol muss aber in zivilisierten demokratischen Gesellschaften beim Staat liegen, um Selbstjustiz zu verhindern und um gerade paranoiden Menschen den Zugang zu Waffen zu erschweren. Ich möchte nicht in der Haut eines Gerichtsvollziehers oder Polizisten stecken, der täglich das Risiko trägt, von einem bewaffneten Irren angegriffen zu werden.

  • (...) Es darf grundsätzlich keine Waffen mehr im privaten Besitz sein. In jedem Land, in dem die Waffengesetzte lasch gehandhabt werden, gibt es mehr Morde durch Schusswaffen, siehe Schweiz.
    Es müssten alle Waffengeschäfte geschlossen und alle Shooting-Ranges geschlossen werden.
    Abschaffung der sogenannten Sportschützen, die sollen Hallenhalma ausprobieren!
    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • "Im Ernst, solche absurden Verschwörungstheorien sind paranoid und sollten medizinisch behandelt werden."
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    Er hat's vielleicht etwas übertrieben dargestellt, aber völlig ernsthaft, die Akribie, mit der hierzulande versucht wird, den privaten Waffenbesitz unter "Kontrolle" zu bringen, läßt unwillkürlich den Gedanken aufkommen, daß die Bevölkerung systematisch wehrlos gemacht werden soll. Dazu gehört keine Paranoia, dazu gehört nicht einmal viel Phantasie. Den Vogel haben unsere Gesetzgeber vor ein paar Jahren mit §42a WaffG abgeschoßen, der selbst das älteste Werkzeug der Menschheit, das Messer, kriminalisiert.

  • nicht sicher..truther, troll oder geistesgestört

  • Die grünen Pillen sind die richtigen und bitte gleich früh morgens nehmen, damit uns solche Kommentare künftig erspart bleiben :-) Im Ernst, solche absurden Verschwörungstheorien sind paranoid und sollten medizinisch behandelt werden.

  • So sollten die Bürger in die Lage versetzt werden, sich gegen eine diktatorische Zentralregierung zu wehren. Mit »Waffen-Narretei« hat das überhaupt nichts zu tun.
    Der Staat steht auf verlorenem Posten
    Oder nehmen wir das Beispiel Deutschland. Laut Bild schätzt das Bundesinnenministerium, dass sich derzeit fünf bis sieben Millionen legale Waffen in privater Hand befinden. Sollten diese immer schärfer kontrolliert oder gar eingezogen werden, hätte das natürlich zur Folge, dass nur noch illegale Waffen unterwegs wären, die naturgemäß nicht kontrolliert werden können. Und das wiederum würde bedeuten, dass in Deutschland – neben den Staatsorganen – nur noch Kriminelle bewaffnet wären. Oder ist das etwa ein- und dasselbe? In Finnland, wo 2008 ein »Amokläufer« in Kauhajoki zehn Schüler und Lehrer tötete, befinden sich immerhin noch 1,6 Millionen Schusswaffen in Privatbesitz. Einer Studie zufolge besitzt sogar etwa jeder zweite Finne eine Schusswaffe. Legt man die reinen Bevölkerungszahlen zugrunde, kommt man so auf 2,6 Millionen Waffenbesitzer, also auf die Armee einer Großmacht in der Größenordnung der früheren Sowjetunion. Zwar klingt das im Vergleich zu den USA oder Deutschland nicht nach viel. Aber wenn man es einmal durchrechnet, stellt man fest, dass der finnische Staat in Friedenszeiten nur über ein Häuflein von 35.000 Mann unter Waffen verfügt. Im Kriegsfall bringt er zwar 520.000 Mann auf die Beine, aber auch nur dann, wenn die privaten Waffenbesitzer mitmachen – etwa bei der Landesverteidigung gegen einen äußeren Feind. Aber wohl kaum, wenn es gegen die eigenen Bürger geht. Käme es also zu inneren Unruhen, etwa im Rahmen der Finanzkrise, oder zu totalitären Maßnahmen gegen die Bevölkerung, sähe es für den Staat schlecht aus. Und genau das soll denn auch vertuscht und geändert werden – nämlich dass der Staat gegen seine eigenen Bürger auf verlorenem Posten steht, wenn es hart auf hart kommt.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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