Nach Angriff auf Taliban-Kämpfer
US-Streitkräfte bestätigen Tod von sechs Kindern in Afghanistan

Bei einem erfolglosem Angriff der US-Streitkräfte auf einen Taliban-Kämpfer im Osten Afghanistans sind sechs Kinder getötet worden. Das haben Angehörige der Streitkräfte bestätigt. Damit wurden bei US-Angriffen innerhalb von nur 24 Stunden insgesamt 15 afghanische Kinder getötet.

HB KABUL. Die Vereinten Nationen (Uno) riefen die USA zu deutlich mehr Achtsamkeit auf. „Vielleicht müssen die Amerikaner die Art ändern, wie sie ihre Operationen ausführen, um eine Wiederholung solcher Vorfälle zu vermeiden“, sagte der Uno-Sonderbeauftragte für Afghanistan, Lakhdar Brahimi, am Mittwoch der dpa in Kabul.

US-Militärsprecher Bryan Hilferty sagte am Mittwoch in Kabul, nach einem Luft- und Bodenangriff in der Provinz Paktia am Freitag hätten amerikanische Truppen die Leichen der sechs Kinder und die von zwei Erwachsenen entdeckt. Die Provinzregierung hatte am Dienstag von acht getöteten Zivilisten gesprochen, darunter bis zu drei Kindern. Am Samstag waren bei einem Bombenangriff der US-Luftwaffe in der ostafghanischen Provinz Ghasni neun Kinder ums Leben gekommen.

Offen blieb, warum die US-Streitkräfte den Vorfall in Paktia nicht früher und nun erst auf Nachfrage veröffentlichten. Nach Hilfertys Angaben hatten US-Truppen die Leichen bereits am Samstag unter einer eingestürzten Mauer am Angriffsort entdeckt.

Der Taliban-Kämpfer, der das eigentliche Ziel des Angriffs gewesen sei, sei nicht unter den neun nach dem Angriff Festgenommenen, sagte Hilferty. Es sei unklar, ob er habe fliehen können. Demnach war er möglicherweise gar nicht in dem angegriffenen Haus. Entgegen früherer Angaben der US-Streitkräfte war am Mittwoch immer noch unklar, ob der Taliban-Kommandeur, der das Ziel des Angriffs in Ghasni war, unter den insgesamt zehn Toten dort gewesen ist.

Untersuchung gefordert

Brahimi forderte eine Untersuchung beider Vorfälle und warnte vor den Konsequenzen für die internationale Staatengemeinschaft in Afghanistan. Er hoffe, dass die Ergebnisse öffentlich gemacht würden. Nach dem Tod der Kinder in Ghasni hatte Uno-Generalsekretär Kofi Annan davor gewarnt, den Anti-Terror-Kampf auf Kosten Unschuldiger zu führen. Er hatte zudem auf Maßnahmen gedrungen, „die eine Wiederholung solch tragischer Fehler ausschließen“.

Hilferty sagte am Mittwoch, die „Operation Lawine“, die größte US- Offensive seit dem Sturz der radikalislamischen Taliban vor zwei Jahren, sei im Osten und Süden des Landes fortgesetzt worden. Angaben über mögliche Tote oder Verwundete machte er nicht. Mit der Offensive wollen die USA gegen Kämpfer der Taliban und des Terrornetzwerks El Kaida vorgehen, deren Angriffe in den vergangenen Monaten wieder deutlich zugenommen haben.

Die Operation begann kurz vor der Verfassung gebenden Loja Dschirga in der afghanischen Hauptstadt Kabul. Der für Mittwoch geplante Beginn der Versammlung ist auf Samstag verschoben worden.

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