Nach Angriff im Thalys
Hollande warnt vor neuen Anschlägen

Nach dem vereitelten Anschlag auf die Passagiere eines Schnellzuges warnt Frankreichs Präsident François Hollande vor neuen Anschlägen. Derweil ermittelt die Polizei wegen Terrorismus. Die Suche nach Komplizen läuft.
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Paris/BrüsselGegen den Attentäter im Schnellzug von Amsterdam nach Paris wird nach Angaben der französischen Staatsanwaltschaft wegen Mordversuchs mit terroristischem Hintergrund ermittelt. Der Mann habe noch im Zug auf seinem Handy YouTube-Videos angeklickt, in denen zum bewaffneten Kampf im Namen Allahs aufgerufen werde, erklärte die Staatsanwaltschaft am Dienstag in Paris. Die Darstellung des Marokkaners selbst, er habe einen Raubüberfall begehen wollen, erscheine „weit hergeholt“. Der Mann, der sich laut Ermittlern zuvor auch in Deutschland aufgehalten hat, war am Freitag in Brüssel mit einer Kalaschnikow bewaffnet in einen Thalys-Zug gestiegen. Dort verletzte er zwei Menschen, bevor er von Zuginsassen überwältigt wurde.

Der Verdächtige habe gezielt und vorsätzlich gehandelt, erklärte die Staatsanwaltschaft weiter. Sie sprach von einem 25-Jährigen, der vergangenes Jahr fünf bis sieben Monate in Frankreich gelebt habe und dann nach Deutschland und Österreich gereist sei. Bisher galt der Mann dem französischen Innenministerium zufolge als 26 Jahre alt. Nach der Attacke wurde er im nordfranzösischen Arras festgenommen, wo der Zug gestoppt wurde. Seit den islamistischen Anschlägen auf die Redaktion der Satirezeitung „Charlie Hebdo“ und einen jüdischen Supermarkt im Januar hat Frankreich die Sicherheitsvorkehrungen erhöht. Die Attentäter töteten damals 17 Menschen.

Staatschef François Hollande hat vor weiteren Attentaten gewarnt. Der Vorfall im Thalys sei „ein neuer Beweis, dass wir uns auf weitere Angriffe vorbereiten und uns schützen müssen“, sagte Hollande am Dienstag bei einer Rede vor den in Paris versammelten französischen Botschaftern. Frankreich sei ständig einer Gefahr ausgesetzt.

Bereits am Wochenende hatten sich die Hinweise auf einen islamistischen Hintergrund der Tat in dem Hochgeschwindigkeitszug verdichtet. Der französische Innenminister Bernard Cazeneuve erklärte, der Angreifer sei den europäischen Sicherheitsbehörden als mutmaßlicher Extremist bekannt. Früheren Informationen aus Sicherheitskreisen zufolge reiste der Mann offenbar im Mai von Berlin nach Istanbul. Die Türkei ist für viele europäische Dschihadisten das Einfallstor zum Bürgerkriegsland Syrien, wo sich Tausende Kämpfer der Extremistenmiliz Islamischer Staat (IS) angeschlossen haben.

Unterdessen sucht die belgische Polizei nach möglichen Komplizen des Attentäters: Bei zwei Razzien in Brüssel hätten die Beamte einige Gegenstände beschlagnahmt, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Die Durchsuchungen konzentrierten sich demnach auf Sint-Jans-Molenbeek, ein ärmeres Viertel der belgischen Hauptstadt. Die Polizei versucht herauszufinden, wo der Verdächtige gelebt hat. Weil der Mann in Brüssel in den Zug gestiegen sei, werde auch in Belgien gegen ihn ermittelt.

Agentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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