Nach Anschlägen in Paris
Frankreich schwankt zwischen Härte und Angst

Frankreich versucht, Stärke zu zeigen. Am Sonntag bombardierte die Luftwaffe Ziele in Syrien. Doch intern zeigt sich das trauernde Land tief verunsichert. Es liegt eine unangenehme Spannung in der Luft.

ParisNach der schlimmsten Terrorserie in der Geschichte Frankreichs mit rund 130 Todesopfern schwankt das Land weiterhin zwischen Angst, Unsicherheit und Entschlossenheit, sich dem Terror entgegenzustellen. Am späten Sonntagabend wurde bekannt, dass das französische Militär Luftangriffe auf mutmaßliche Ziele des Islamischen Staates (IS) in Syrien fliegt. Bei den Angriffen auf die IS-Hochburg hätten französische Kampfflugzeuge 20 Bomben abgeworfen, teilte das Verteidigungsministerium in Paris am Sonntagabend mit. Die Ziele seien ein IS-Trainingslager und ein Camp gewesen, das den Dschihadisten als Kommandozentrale und Waffenlager gedient habe. „Die beiden Ziele der Luftangriffe wurden zerstört“, erklärte das Ministerium.

Im Inland wirkt Frankreich weniger souverän. So mussten Polizisten am Sonntagabend zugeben, dass sie den Verdächtigen Abdeslam Salah nach einer Kontrolle wieder laufen ließen. Beamte hätten den 26-Jährigen am frühen Samstagmorgen nahe der Grenze zu Belgien in einem Auto angehalten und kontrolliert, sagten vier französische Sicherheitsbeamte am Sonntag. Sie hätten ihn aber nach der Prüfung seiner Personalien weiterfahren lassen. Seitdem befindet sich Salah auf der Flucht. Die belgische Justiz schrieb ihn am Sonntag international zur Fahndung aus. Befürchtet wird, dass eine ganze Gruppe abgetaucht sein könnte. Sieben Attentäter starben bei den Anschlägen. Die Terroristen wollten auch ein Blutbad vor laufenden Kameras während des Länderspiels Frankreich gegen Deutschland anrichten. Im Stadion saßen fast 80.000 Zuschauer, darunter auch Hunderte Deutsche.

Bei der beispiellosen Anschlagsserie der drei Terrorkommandos waren am Freitag mindestens 129 Menschen getötet worden, gut 350 wurden teils schwer verletzt. Unter den Toten der minutiös geplanten Terrorserie ist mindestens ein Deutscher. Die Massaker waren nach Ermittlungen eine Aktion der Terrormiliz Islamischer Staat (IS).

Wie Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) am Sonntagabend berichtete, sind eventuell sogar mehrere Täter auf der Flucht. „Am besorgniserregendsten ist die Information, dass möglicherweise noch eine Tätergruppe in Frankreich unterwegs ist“, sagte er dem ZDF.

Sport-Staatssekretär Thierry Braillard bestätigte, dass die Attentäter während des Länderspiels in das Stade de France eindringen wollten. Warum sie scheiterten, sagte er nicht. Wie die Sportzeitung „L'Équipe“ berichtete, sollen zwei der drei Attentäter kurz nach Spielbeginn am Einlass abgewiesen worden sein, weil sie keine Tickets gehabt hatten. Im Stadion waren auch Frankreichs Präsident François Hollande und Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier.

Wie angespannt die Lage in Paris weiter ist, zeigte sich am Sonntagabend: Auf dem Platz der Republik kam es kurzzeitig zu einer Panik, viele Menschen ergriffen die Flucht. Nach Angaben der Polizei handelte es sich um einen falschen Alarm.

Auch rund um dem Gottesdienst in der geschichtsträchtigen Kirche Notre Dame war die Stimmung angespannt. Da die Kirche schnell überfüllt war, sammelten sich auf der Seine-Insel auch vor dem Gebäude Tausende Menschen. Die Pariser strömten auf den Platz und harrten aus. Doch auch in den Stunden der Trauer war die Unsicherheit, die seit den Terrorangriffen von Freitag über der französischen Metropole liegen, überall zu spüren. Die Straßen waren mit Gittern abgesperrt, immer wieder fuhren Streifenwagen mit Blaulicht vor, über der Kirche kreisten Helikopter, und die Menschen mussten vor dem Betreten des Platzes strenge Sicherheitskontrollen wie im Flughafen über sich ergehen lassen.

Der Kardinal sprach nicht nur tröstende Worte: „Männer und Frauen wurden grausam hingerichtet“, sagte der Kardinal von Paris, André Vingt-Trois, nach einem Bericht der Nachrichtenagentur AFP. „Unsere Versammlung heute Abend hat vor allem zum Ziel, den Schmerz ihrer Angehörigen zu teilen, (den Schmerz) ihrer Freunde, für sie zu beten“, sagte der Kardinal. Auch für das Land gelte es zu beten. Zu der Messe waren unter anderem die Bürgermeisterin von Paris, Anne Hidalgo, und die ehemaligen Premierminister François Fillon und Alain Juppé gekommen. Auch der frühere französische Präsident Valéry Giscard d'Estaing hatte in der ersten Reihe Platz genommen.

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