Nach Anschlag
Kämpfe in Sri Lanka verschärfen sich

Nach dem schweren Sprengfallen-Anschlag in Sri Lanka sind die Kämpfe zwischen Regierung und Rebellen heftiger geworden. Seit einer 2002 vereinbarten Feuerpause steht das Land näher als je zuvor am Rande eines neuen Bürgerkriegs.

HB COLOMBO. „Es sieht so aus, als sei die Regierung bereit für einen Krieg“, sagte ein ranghoher Vertreter der Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE) der Nachrichtenagentur Reuters. Die Luftwaffe Sri Lankas warf über dem Hauptquartier der Rebellen in Kilinochchi kurz nach Tagesanbruch mindestens fünf Bomben ab. Mitarbeiter von Hilfsorganisation flüchteten sich in Bunker. „Wir sind noch bei der Bewertung der Situation und prüfen unsere Antwort“, sagte S. Puleedevan, Leiter des Friedenssekretariat der Rebellen.

Am Vortag waren bei einem Anschlag auf einen Bus 64 Menschen getötet worden. Es war der schwerste Anschlag in Sri Lanka seit der Waffenstillstands-Vereinbarung 2002. Nach offiziellen Angaben detonierten auf einer abgelegenen Straße zwei Minen. Die Druckwelle der mit Metallkugeln gespickten Sprengsätze traf den vorbeifahrenden Reisebus. Die Regierung macht die tamilischen Rebellen dafür verantwortlich; die LTTE wies die Vorwürfe zurück. Die Vereinten Nationen (UN) forderten eine Untersuchung des Anschlags.

Diplomaten zufolge steht Präsident Mahinda Rajapakse nun unter wachsendem Druck aus den eigenen Reihen, mit noch mehr Gewalt zu antworten - was eine entsprechende Reaktion der LTTE nach sich ziehen könnte. Auch Bombenanschläge in der Hauptstadt werden in Diplomatenkreisen nicht mehr ausgeschlossen. In Mitleidenschaft gezogen werden könnte dann auch die Wirtschaft des Landes. Investoren wie Touristen könnten durch die instabile Lage abgeschreckt werden, erklärten die Diplomaten.

Für eine Rückkehr zum Friedensprozess ist es nach Einschätzung einiger Beobachter zu spät. Die Gespräche unter der Vermittlung Norwegens liegen derzeit auf Eis. Diplomaten kritisieren die geringe Flexibilität der verfeindeten Parteien. Die Gewalt hat indes in den letzten Monaten stetig zugenommen. Seit April sind mehr als 500 Menschen getötet worden. Die Vermittler haben die Konfliktparteien daher aufgefordert, sich zu der Feuerpause zu bekennen. Durch den Bürgerkrieg in den achtziger und neunziger Jahren wurden mehr als 64 000 Menschen getötet.

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