Nach Anschlag
USA reden über Vergeltungsschlag in Libyen

Nach dem tödlichen Anschlag auf den US-Botschafter in Libyen fordern Kongressabgeordnete in den USA Aufklärung über Sicherheitsmaßnahmen - angeblich fassen US-Militärs sogar einen Angriff ins Auge.
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WashingtonNach dem blutigen Anschlag auf das US-Konsulat im libyschen Bengasi fassen US-Militärs nach Informationen der „New York Times“ einen Vergeltungsschlag ins Auge. Spezialeinheiten sammelten demnach Informationen für einen möglichen Angriff auf die Täter des Anschlags, bei dem am 11. September vier amerikanische Diplomaten getötet wurden.

Es seien aber noch keine Entscheidung über eine mögliche Aktion zur Gefangennahme oder zur Tötung der Täter gefallen, heißt es. Präsident Barack Obama hatte versprochen, die Verantwortlichen zur Verantwortung zu ziehen.

Eine mögliche Operation von Spezialeinheiten ziele auf eine Gefangennahme oder die Tötung der mutmaßlichen Täter ab, berichtete die Zeitung am Dienstag in ihrer Online-Ausgabe. Allerdings seien die Vorbereitungen noch in einem sehr frühen Stadium. Es sei noch keinerlei Entscheidung über eine mögliche Aktion gefallen, hieß es unter Berufung auf namentlich nicht genannte Regierungsbeamte.

Die „New York Times“ schreibt, Obama habe bei einer Vergeltungsaktion in Libyen mehrere Optionen, darunter etwa Drohnenangriffe und Einsätze von Spezialeinheiten wie etwa bei der Tötung von Osama bin Laden im vergangenen Jahr in Pakistan. Denkbar seien auch gemeinsame Operationen mit libyschen Einheiten. Jede Aktion berge aber erhebliche militärische und politische Risiken.

Der tödliche Anschlag auf das US-Konsulat im libyschen Bengasi soll zudem Thema im US-Kongress werden. Denn obwohl es bereits vor der Attacke Angriffe auf westliche Beamte in Libyen gab, sollen mehrere Anträge von Diplomaten auf verstärkte Sicherheitsmaßnahmen abgelehnt worden sein. Das erklärten am Dienstag zwei Abgeordnete der US-Republikaner und forderten in einem Brief Aufklärung von Außenministerin Hillary Clinton. Angeblich hätten ihre Informanten ihr Wissen über die Abläufe in Libyen aus erster Hand.

Am 11. September waren der US-Botschafter Chris Stevens und drei weitere Amerikaner bei dem Angriff auf das Konsulat ums Leben gekommen. Das Außenministerium beantwortete die Frage nach etwaig zuvor geforderten Extra-Sicherheitsmaßnahmen nicht.

Clinton verwies darauf, dass es keine Geheimdiensthinweise auf eine besondere Bedrohung des Konsulats gegeben habe. Die Abgeordneten planen nun eine Anhörung vor dem US-Kongress am 10. Oktober.

Das Außenministerium kritisierte am Dienstag, dass die Sicherheitsbehörden der USA und Libyens auch drei Wochen nach dem Anschlag bei der Aufklärung noch immer nicht kooperierten. Zwar funktioniere die politische Zusammenarbeit, sagte eine Sprecherin des Ministeriums, doch sei diese nun auch bei den Ermittlungen nötig.

Libyens Präsident Mohammed el Megaref sagte einer arabischsprachigen Zeitung, die US-Bundespolizei FBI könne an den libyschen Ermittlungen teilnehmen. Nach seiner Einschätzung seien die Verzögerungen nicht allein die Schuld der libyschen Regierung. Nach Auskunft des FBI können die Bundesagenten nicht nach Bengasi gelangen, weil es zu gefährlich ist.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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DAPD Deutscher Auslands-Depeschendienst GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Die USA waren an den 20.000 Luftangriffen auf Libyen maßgeblich beteiligt. Dieser Krieg war wie der Irak-Krieg ebenfalls mittels Lügen inszeniert, da Gaddafi in Wahrheit niemals friedliche Demonstranten mit Flugzeugen bombardiert hatte. Die UN-Resolution 1973 wurde maßlos missbraucht. Rund 100.000 Menschen fanden den Tod. Hätte dieser Angriffskrieg nicht stattgefunden, gäbe es auch keinen Angriff auf den Botschafter am 11. September. Die Amerikaner können sich ihre Hochrüstung nur deshalb leisten, weil sie ohne Ende Geld drucken und sich damit durch die ganze Welt bedienen lassen. Man bedient diese hochnäsigen Schmarotzer immer noch, weil sie hochgerüstet sind. Ein endloser Kreislauf?

  • George W. Bush ging es nicht um die Verteidigung christlicher Werte sondern um die Eroberung von Rohstoffen.
    Christliche abendländische Kultur und islamisch orientalische Kultur haben nichts Gemeinsam. Das müssen die Politiker in Europa endlich begreifen. Würden die Politik in Europa eine vernünftige und geregelte Einwanderungspolitik betreiben braucht es am Ende keine Kreuzüge. Europa soll sich für Frieden in den arabischen Ländern einsetzten und keine Kriege anzetteln.Währe die arabische Welt stabil würde es für viele wieder einen Anreiz geben in ihre Heimat zurüchzukehren. Europäische Politik muss sich von der amerikanischen Politik grundlegenst emanzipieren. Sonst wird Europa wieder zum Schlachtfeld. Leider haben sich die europäischen Spitzenpolitiker in Brüssel dem Amerikanischen Diktat vollständig unterworfen. Sie haben keine Berechtigung Politik zu machen da Sie die Hand aufhalten und nur noch Geldempfänger sind. Durch dieses unverantwortliche Verhalten der europäischen politischen Führung kann es sein das Europa wieder die Zeche bezahlen muss. Wenn als nächstens europäische Konsulate in der Arabischen Welt in Flammen stehen kann man sich ausmahlen was als nächstes darauf folgt.

  • Man sollte auch auf das Notizbuch des getöteten / ermordeten Konsuls hinweisen, das stand nämlich interessantes zu seinen Aktivitäten während des sog. Volksaufstandes drin.

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