Nach Befreiung
Betancourt eilt nach Frankreich

Nun zieht es sie nach Frankreich: Die nach mehr als sechs Jahren Geiselhaft befreite Ingrid Betancourt ist auf dem Weg nach Paris. Ein Flugzeug startete in Kolumbien mit der Exgeisel und ihrer Familie an Bord. In Europa hat sie ganz bestimmte Pläne.

HB BOGOTÁ. Kaum ist Ingrid Betancourt wieder frei, verlässt sie Kolumbien. Die nach fast sechseinhalb Jahren Geiselhaft aus der Gewalt linker Farc-Rebellen befreite frühere kolumbianische Präsidentschaftskandidatin ist von Bogotá aus nach Paris geflogen. Die 46-Jährige, die auch die französische Staatsbürgerschaft besitzt, wollte Staatspräsident Nicolas Sarkozy und dem französischen Volk für die jahrelangen Bemühungen um ihre Freilassung danken.

In der kommenden Woche will sie zudem der Papst empfangen. "Das ist ein Treffen, das man sich nicht entgehen lassen darf", sagte Betancourt. Der genaue Termin sei ihr aber noch nicht bekannt.

Betancourt war am Vortag bei der spektakulären Aktion "Schach" von den kolumbianischen Streitkräften durch einen Trick und ohne Blutvergießen befreit worden. Auch drei Amerikaner und elf weitere Kolumbianer kamen dabei frei. Kurz vor dem Abflug nach Europa rief sie die Farc zu Friedensgesprächen mit der Regierung auf und forderte die Rebellen auf, alle ihre etwa noch 700 Geiseln freizulassen.

Betancourt wurde von ihren beiden Kindern Melanie und Lorenzo, ihrer Mutter Yolanda Pulecio und ihrem zweiten Mann Juan Carlos Lecompte begleitet. Ihre Kinder waren erst in der Nacht zuvor zusammen mit Frankreichs Außenminister Bernard Kouchner von Frankreich nach Kolumbien geflogen, um ihre Mutter nach der langen Geiselhaft in die Arme zu schließen.

Sarkozy hatte sich ebenso wie sein Amtsvorgänger Jacques Chirac intensiv um eine Freilassung Betancourts und anderer Geiseln bemüht. Ihre Vermittlungsversuche scheiterten jedoch genauso wie die des linksgerichteten venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez an der Unnachgiebigkeit der marxistischen Rebellengruppe "Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens" (Farc) und des kolumbianischen Präsidenten Alvaro Uribe.

Die Farc haben nach der Befreiung Betancourts kaum noch Geiseln von politischer Bedeutung, die sie wie gefordert gegen etwa 500 inhaftierte Guerilleros eintauschen könnten. Auch ihre Forderung nach einer demilitarisierten Zone im Süden des Landes für Verhandlungen über den Austausch von Geiseln gegen Häftlinge dürfte weiter an Kraft verloren haben. Uribe hatte dies ohnehin strikt abgelehnt.

Die Kolumbienexpertin Sabine Kurtenbach des Hamburger German Institute of Global and Area Studies (Giga) sagte, Racheaktionen der Guerilla-Gruppe seien nun nicht auszuschließen. "Die offensichtliche Schwäche der FARC könnte Kurzschlussreaktionen provozieren, um zu zeigen, dass man als Gegner des Staates noch da ist." Es sei jetzt an der Regierung, besonnen zu handeln und die Befreiung nicht propagandistisch auszuschlachten.

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