Nach Benzinpreiserhöhung
Irans Regierung fürchtet Unruhen

Die iranische Regierung hat die Subventionen für Treibstoff drastisch zusammengestrichen. Nach der Vervierfachung des Benzinpreises richten sich die Verantwortlichen nun auf mögliche Unruhen ein.
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HB TEHERAN. Im Iran hat sich der Preis für Benzin am Wochenende nach drastischen Kürzungen staatlicher Treibstoffsubventionen vervierfacht. Präsident Mahmud Ahmadinedschad kündigte am Samstagabend im staatlichen Fernsehen an, die Subventionen für Basisprodukte wie Benzin und Nahrungsmittel von derzeit 75 Milliarden Euro jährlich auslaufen zu lassen.

Die Regierung in Teheran stellte sich auf Unruhen ein und verschärfte die Polizeipräsenz vor allem vor Tankstellen deutlich. Zunächst blieb es am Sonntag jedoch ruhig. Als die Islamische Republik das letzte Mal 2007 den Zugriff auf Benzin einschränkte, war es zu heftigen Protesten gekommen.

"Ich werde mein Auto bei diesen hohen Preisen nicht mehr nutzen können", sagte ein Teheraner. Der Liter kostete am Sonntag umgerechnet rund 30 Cent und damit viermal so viel wie am Vortag. Ahmadinedschad warb für die umstrittenen Kürzungen und sagte, sie würden den verschwenderischen Verbrauch begrenzen und dem Staatshaushalt helfen. Beobachtern zufolge wird der Schritt dazu führen, dass die aktuelle iranische Inflationsrate von zehn Prozent deutlich nach oben schnellt.

Für die Iraner kam die Kürzung der Subventionen nicht überraschend. Die Regierung hatte bereits vor Monaten mit der Einleitung der Maßnahmen begonnen. Die Diskussion darüber läuft sogar schon seit Jahren - auch, weil die Iraner aufgrund des niedrigen Preises sehr verschwenderisch mit Benzin umgehen.

Bislang konnten sie jeden Monat die ersten 60 Liter Benzin zum Preis von 1000 Rial (rund sieben Euro-Cent) kaufen. Nun werden 4000 Rial für die ersten 60 Liter fällig, jeder weitere Liter kostet gar 7000 Rial.

Der Iran ist zwar der fünftgrößte Ölexporteur der Welt. Wegen geringer Raffinerie-Kapazitäten hatte das Land zuletzt aber rund 40 Prozent seines Benzin-Bedarfs einführen müssen.

Wegen des umstrittenen iranischen Atomprogramms hat die Europäische Union den Verkauf von Bauteilen untersagt, die der Iran im Raffinerie-Sektor nutzen könnte. Die USA bestrafen zudem Unternehmen, die an den Iran Benzin verkaufen. Der Westen verdächtigt das Land, heimlich am Bau einer Atombombe zu arbeiten. Der Iran bestreitet das.

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