Nach Beschuss
Israel fliegt Luftangriff auf Gazastreifen

Im Nahen Osten ist es seit dem Kriegsende im Sommer wieder zu einem Zwischenfall gekommen: Zunächst wurde eine Rakete aus dem Gazastreifen abgefeuert. Israel reagierte umgehend mit einem Gegenangriff.

Gaza-StadtZum ersten Mal seit dem Gazakrieg im Sommer hat Israel am Samstag wieder einen Luftangriff auf eine Einrichtung der Palästinenserorganisation Hamas geflogen. Das gab der israelische Militärsprecher Peter Lerner am frühen Samstagmorgen bekannt. Bei dem Ziel des Vergeltungsschlags für einen Raketenbeschuss aus Gaza handelte es sich der Armee zufolge um eine Hamas-Anlage im Süden des Gazastreifens.

Anwohner berichteten von zwei Explosionen in der Region Chan Junis. In diesem Gebiet soll es Trainingsanlagen der radikalislamischen Rebellen geben. Von Toten oder Verletzten wurde zunächst nicht berichtet.

Der Schlag sei eine Antwort auf einen Raketenangriff aus Gaza auf Eschkol im südlichen Israel am Freitag gewesen, sagte Lerner. Israels Militär „wird keinen Versuch erlauben, die Sicherheit der israelischen Zivilisten zu untergraben und deren Wohlbefinden zu gefährden“, sagte Lerner. Die Hamas sei verantwortlich und haftbar für die Attacke. Bei diesem Beschuss kam es allerdings zu keinen Verletzten, wie die israelische Polizei mitgeteilt hatte.

Israel und die Hamas hatten sich im Sommer einen 50-tägigen Krieg geliefert. Dabei schossen die Rebellen, die über den Gazastreifen herrschen, Tausende Raketen und Mörsergeschosse auf Israel ab, das mit etlichen Luftangriffen und einer Bodeninvasion geantwortet hatte. Bei dem Krieg starben laut palästinensischen und UN-Angaben mehr als 2100 Palästinenser, die meisten davon Zivilisten, sowie 72 Israelis, darunter 66 Soldaten.

Die Raketenattacke aus Gaza und die israelische Vergeltung kommen nur wenige Tage, nachdem der Europäische Gerichtshof in Luxemburg die Hamas von der EU-Terrorliste gestrichen hatte. Auf dieser hatte die Palästinenserorganisation seit 2001 gestanden. Die Streichung hatte scharfe Kritik in Israel ausgelöst. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hatte gesagt, das Gerichtsurteil sei ein erstaunliches Beispiel europäischer Heuchelei. Viele in Europa hätten aus dem Holocaust keinerlei Lehren gezogen.

Am Freitag kam es auch zu heftigen Zusammenstößen zwischen palästinensischen Demonstranten und israelischen Soldaten an einem Kontrollposten des Militärs im Westjordanland. Verletzungen oder Festnahmen wurden nicht gemeldet. Die Unruhen ereigneten sich nahe dem Dorf Turmus Aja, wo der palästinensische Minister Siad Abu Ain vergangene Woche bei einem Handgemenge mit Soldaten zusammengebrochen und später gestorben war. Mediziner beider Seiten widersprechen sich wegen der Todesursache von Abu Ain. Ein palästinensischer Experte sagte, ein „Schlag“ sei der Grund für sein Ableben gewesen, während sein israelischer Kollege von einer Herzattacke sprach.

Der Tod des Ministers hatte die Spannungen zwischen Israel und den Palästinensern weiter erhöht. In den vergangenen Tagen versuchte Palästinenserpräsident Mahmud Abbas die israelische Regierung von Netanjahu auch vor dem UN-Sicherheitsrat unter Druck zu setzen. Über die von Jordanien eingebrachte Resolutionsvorlage, die einen Abzug Israels aus den besetzten Gebieten bis Ende 2017 vorsieht, wurde aber noch nicht abgestimmt.

Agentur
ap 
Associated Press / Nachrichtenagentur
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