Nach Boko-Haram-Überfall
Amnesty erhebt Vorwürfe gegen nigerianisches Militär

Während die Islamisten von Boko Haram ihre Anschläge fortsetzen, erhebt Amnesty International schwere Vorwürfe gegen das Militär: Angeblich hätte die Verschleppung Hunderter Mädchen verhindert werden können.
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AbujaTrotz weltweiter Proteste gegen den Terror in Nigeria setzen die Islamisten von Boko Haram ihre Angriffe fort. Mutmaßliche Mitglieder der Extremisten sprengten im Norden eine Brücke und töteten mindestens 30 Menschen - während die Dorfbewohner noch die Opfer des letzten Anschlags zu Grabe trugen. Amnesty International erhebt unterdessen schwere Vorwürfe gegen das nigerianische Militär. Die Sicherheitskräfte seien Stunden vor dem Überfall auf eine Schule in Chibok vor der bevorstehenden Attacke gewarnt worden und hätten die Entführung von mehr als 200 Mädchen womöglich verhindern können.

Die Menschenrechtsorganisation beruft sich auf „Informationen aus mehreren Interviews mit glaubwürdigen Quellen“, die unabhängig geprüft worden seien. Demnach hätten beispielsweise Zivilpatrouillen im Nachbarort Gagilam Alarm geschlagen, als eine große Gruppe bewaffneter Männer auf Motorrädern durch ihr Dorf kam und angab, sie wären unterwegs nach Chibok. Trotzdem habe niemand der lokalen Polizei und den dort stationierten 17 Soldaten Verstärkung geschickt, berichtete Amnesty am Freitag in Washington.

Die Mädchen waren vor knapp einem Monat verschleppt worden. Bis heute fehlt von ihnen jede Spur. In einem Bekennervideo hieß es, sie sollten als Sklavinnen verkauft werden.

Boko Haram, die im muslimisch geprägten Norden Nigerias einen Gottesstaat errichten wollen, hat seit 2009 zahlreiche schwere Anschläge mit über 6000 Toten verübt.

Der Anschlag auf die Brücke ereignete sich in dem Dorf Gamboru Ngala an der Grenze zu Kamerun, wie die Zeitung „Punch“ am Freitag berichtete. Dort hatte Boko Haram erst vor wenigen Tagen über 300 Menschen ermordet und elf Mädchen entführt. Die Dorfbewohner hielten am Donnerstagabend offenbar gerade ein Massenbegräbnis ab, als die Extremisten erneut zuschlugen. Auf der Brücke befanden sich nigerianische und kamerunische Grenzposten. Unter den Trümmern könnten Zeugen zufolge weitere Opfer liegen.

Bundespräsident Joachim Gauck zeigte sich in einem Schreiben an Nigerias Staatschef Goodluck Jonathan schockiert und sprach von „menschenverachtenden und hinterhältigen“ Anschlägen. Mit Bestürzung reagierte auch der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx. Regierungssprecher Steffen Seibert sagte in Berlin: „Das sind barbarische Akte jenseits jeglicher Moralvorstellungen, die wir aufs Allerschärfste verurteilen.“

Mehrere Länder haben Nigeria bereits Unterstützung zugesagt, darunter die USA, Großbritannien und Frankreich. Paris hat nach einem Bericht der Zeitung „Le Parisien“ ein Team des Auslandsgeheimdienstes DGSE nach Nigeria geschickt, um bei der Suche nach den entführten Mädchen zu helfen. Eine offizielle Bestätigung gab es aber zunächst nicht.

US-Außenminister John Kerry hatte am Donnerstag an die internationale Gemeinschaft appelliert, konkrete Hilfen zur Verfügung zu stellen. „Die gesamte Welt sollte diese Schandtat nicht nur verdammen, sondern alles nur Mögliche tun, um Nigeria in den nächsten Tagen zu helfen“, sagte Kerry in Washington. Nach einem CNN-Bericht sollte am Freitag ein siebenköpfiges US-Team in Nigeria eintreffen, um mehrere Dutzend Militärexperten zu unterstützen, die seit längerer Zeit vor Ort sind.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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