Nach Brand in Flüchtlingslager
Lesbos fordert Auflösung des Lagers

Die Regierung von Lesbos fordert eine Auflösung des Flüchtlingslagers. Die Migranten sollen auf das Festland gebracht werden. Die Polizei nimmt mehrere Flüchtlinge wegen des Verdachts der Brandstiftung fest.

AthenNach dem Großfeuer in einem Flüchtlingslager auf Lesbos bitten die Behörden der Insel darum, dass Tausende Flüchtlinge und Migranten auf das griechische Festland gebracht werden. Regionalgouverneurin Christiana Kalogirou sagte am Dienstag, sie habe die Regierung in Athen mehrfach gewarnt, dass Lager wie dieses in der östlichen Ägäis auf gefährliche Weise überfüllt seien.

Zuvor hatte bereits der Bürgermeister von Lesbos vor weiteren Eskalationen gewarnt. „Ich weiß nicht, ob es heute sein wird oder in ein, zwei Tagen, aber wenn die Situation nicht umgehend entschärft wird, werden wir sicher wieder neue, noch schlimmere Vorfälle erleben“, sagte Spyros Galinos am Dienstag dem griechischen Radiosender Parapolitika FM.

Mehr als 4000 Menschen waren in dem Lager „Moria“ untergebracht, als dort am Montag ein Feuer ausbrach. Die Flammen beschädigten unter anderem etliche Zelte. Es gab bislang keine Berichte über Verletzte.

Überfüllung und lange Verzögerungen bei der Bearbeitung von Asylanträgen hatten in „Moria“ wiederholt zu Spannungen geführt, häufig unter Angehörigen unterschiedlicher ethnischer Gruppen. Daher besteht der Verdacht der Brandstiftung durch Bewohner des Lagers.

Die Polizei nahm bereits 18 Flüchtlinge und Migranten fest. Die Männer aus Afghanistan, Kamerun, Senegal und Syrien stünden im Verdacht, für die Brandstiftung und die Krawalle inner- und außerhalb des sogenannten Hotspots der Insel verantwortlich zu sein, berichtete die Athener Tageszeitung „Kathimerini“ am Dienstag. Mindestens neun von ihnen sollen dem Haftrichter vorgeführt werden.

Die griechische Regierung äußerte sich zunächst nicht zu den Vorfällen. Ministerpräsident Alexis Tsipras und andere Regierungsmitglieder nehmen derzeit am Uno-Flüchtlingsgipfel in New York teil. Lesboas' Bürgermeister Galinos warf Athen Versäumnisse vor. Er selbst habe wiederholt um Hilfe gebeten und gewarnt. „Es kann nicht sein, dass nur rund 15 Gemeinden in ganz Griechenland die gesamte Flüchtlingsproblematik schultern.“

Seit dem Flüchtlingspakt zwischen der EU und der Türkei im März dieses Jahres dienen die Hotspots dazu, illegal eintreffende Neuankömmlinge festzuhalten, um sie zurück in die Türkei zu schicken. Zuvor können die Menschen einen Asylantrag stellen - allerdings zieht sich die Prozedur mangels Personal in die Länge, so dass die Hotspots längst überfüllt sind.

Insgesamt leben auf Lesbos 5400 Migranten und Flüchtlinge. Die griechische Insel war Hauptziel für mehr als eine Million Menschen, die seit Anfang 2015 die Inseln im Osten Griechenlands von der Türkei aus erreicht haben.

Agentur
ap 
Associated Press / Nachrichtenagentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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