Nach Brexit Entscheidung
EU-Bürger in Großbritannien suchen eine klare Perspektive

  • 0

Unsensibles Verhalten gegenüber langjähriger Bürger?

Nach zahlreichen Beschwerden hat das Innenministerium nach eigener Aussage den Wortlaut der Ablehnungsbescheide geändert, um klarzustellen, „dass niemand, der das gesetzliche Recht hat, in dem Land zu bleiben, das Land verlassen muss“. Zudem habe man den Antragsprozess vereinfacht. Auch gebe es keine Pflicht für EU-Bürger, ihren Aufenthaltsstatus dokumentieren zu lassen. Doch das hat die Flut der Anträge nicht gestoppt.

Kritiker werfen der britischen Regierung vor, sich gegenüber langjährigen Einwohnern unsensibel oder sogar feindselig zu verhalten. Man habe die Uhren zurückgedreht, monierte etwa die Liberaldemokratin Sarah Ludford im britischen Oberhaus. „Die Menschen werden aufgefordert, jeden Moment in ihrem Leben zu dokumentieren.“

Einige Antragsteller fallen durch das Raster, etwa wenn sie keine Arbeit haben oder einen Job suchen, so wie Studenten oder Eltern, die sich nur um ihre Kinder kümmern. Sie müssen nun nachweisen, dass sie eine umfassende Krankenversicherung haben, wenn sie in Großbritannien leben. Das war für viele ein Schock, schließlich bot das britische Gesundheitssystem bislang eine kostenlose, steuerfinanzierte Versorgung für alle. Die EU-Staaten haben zudem garantiert, dass britische Bürger in anderen Mitgliedsstaaten behandelt werden.

Dora-Olivia Vicol stammt aus Rumänien und studiert in Oxford. Sie habe Wochen gebraucht, um ein Dokument aus ihrer Heimat zu erhalten, mit dem sie nachweisen konnte, dass sie krankenversichert sei. „Ich musste um die Papiere kämpfen“, sagt die Anthropologie-Studentin, deren Schwerpunkt ausgerechnet Migration ist. „Es war, als müsste ich mich selbst beglaubigen.“

Vicols Antrag ging schließlich durch. Doch sie kennt viele Menschen, die keinen Erfolg hatten und nun einen auf Einwanderungsfragen spezialisierten Anwalt eingeschaltet haben. Doch das ist ein langer und teurer Prozess. Vicol sagt, gut ausgebildete junge Menschen wie sie und ihre Freunde hätten die nötigen Ressourcen dafür, aber viele andere nicht.

Aber selbst Menschen, die es geschafft haben, überlegen, ob sie in Großbritannien bleiben. Einer von ihnen ist Schwarzkopf. Sein Antrag wurde im zweiten Anlauf genehmigt. Aber er sucht mittlerweile eine akademische Anstellung in einem anderen Land. „Die vergangenen Monate haben mich darin bestätigt, zu gehen“, sagt er. „Ich weiß noch nicht wann, aber ich weiß, dass es ziemlich bald sein wird.“

Seite 1:

EU-Bürger in Großbritannien suchen eine klare Perspektive

Seite 2:

Unsensibles Verhalten gegenüber langjähriger Bürger?

Agentur
ap 
Associated Press / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Nach Brexit Entscheidung: EU-Bürger in Großbritannien suchen eine klare Perspektive"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%