Nach Camerons "Nein"
Ökonom warnt vor ausufernder Inflation in Großbritannien

Das britische "Nein" zu den strikten Haushaltsregeln der EU könnte noch eine weitere unbequeme Konsequenz haben. Die Inflation auf der Insel steigt und steigt. Grund dafür sind die hohen Haushaltsdefizite.
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DüsseldorfDie Absage Großbritanniens an den Stabilitätspakt der anderen EU-Länder könnte dort die Inflation anfachen. Der an der London School of Economics lehrende deutsche Wirtschaftshistoriker Albrecht Ritschl warnte gegenüber Handelsblatt Online, dass die Briten nun ihre zögerliche Haushaltspolitik fortsetzen könnten die mehr aus Worten als aus Taten bestehe.

"Das macht kurzfristig nicht viel, denn Großbritanniens Notenpresse läuft schnell und rund und finanziert die Defizite zunächst geräuschlos," sagte Ritschl. "Der Preis dafür ist steigende Inflation – schon jetzt liegt die Geldentwertung bei 5 Prozent, Tendenz allen Voraussagen zum Trotz bislang steigend." Die britische Inflation lag im November 2011 bei 4,8 Prozent - und damit deutlich über dem Zielwert der Bank von England von 2 Prozent.

Ritschl wertet das Ergebnis des EU-Gipfels als Niederlage für den britischen Premierminister Cameron. Englands altes Trauma sei das Entstehen eines kontinentalen Blocks. Darum bestehe das britische Interesse darin, einen Fuß in der Tür zu behalten, ohne zu viel nationale Eigenständigkeit aufzugeben. Gemessen an diesem Anspruch sei Camerons Auftritt in Brüssel ein Fehlschlag gewesen. "Bislang hat Großbritannien es mit beträchtlichem Geschick vermocht, mit Vetos zu drohen, ohne sie je ausüben zu müssen. Dass es diesmal nicht gelang, sich diese Drohung mit Zugeständnissen an britische Partikularinteressen abhandeln zu lassen, muss als britische Niederlage gewertet werden," sagte Ritschl.

Einen Austritt aus der EU erwartet Ritschl jedoch nicht. "Die Kräfte der wirtschaftlichen Integration zwischen Europa und Großbritannien sind so groß, dass es schon einer politischen Wahnsinnstat bedürfte."

Selbst die härtesten Antieuropäer unter den britischen Konservativen hielten den europäischen Binnenmarkt für sinnvoll. Deshalb würde Großbritannien am freien Handel mit dem europäischen Festland in jedem Fall festhalten.

Auf der Strecke bleiben würden allerdings die zaghaften Versuche bleiben, Großbritanniens Industrie wiederzubeleben. "Bei einer Abkehr von Europa würde sich die extreme Spezialisierung der britischen Volkswirtschaft wohl eher noch akzentuieren."

Mallien Jan
Jan Mallien
Handelsblatt / Geldpolitischer Korrespondent

Kommentare zu " Nach Camerons "Nein": Ökonom warnt vor ausufernder Inflation in Großbritannien"

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  • Stagflation = steigende Preise bei stagnierender Wirtschaft. Ein Kommentator hat an anderer Stelle Zimbabwe erwaehnt. Hyperinflation bei dramatisch sinkender Wirtschaftsleitung. Die Mechanismen: 1) Vagbundierende Gelder (z.B. der Banken) fluechten in Rohstoffe und treiben deren Preise in die Hoehe. Steigende Rohstoffpreise muessen zu steigenden Gueterpreisen fuehren. 2) Kein Unternehmer bringt seine Produkte auf den Markt, wenn er damit Verluste macht. Eine sinkende Produktmenge stoesst auf eine steigende Geldmenge. Inflation ist die Folge.

  • http://krugman.blogs.nytimes.com/

    und Krugman behauptet das genaue Gegenteil. Nur Einmaleffekte aufgrund der Mehrwertsteuererhöhung sowie erhöhte Rohstoffpreise auf den Weltmärkten infolge steigender Nachfrage haben zu einer Preiserhöhung geführt.

    Denn eines ist klar: ohne steigende Löhne und verfügbare Einkommen sind höhere Preise kaum vermittelbar.

    Steigende Nachfrage benötigt steigendes "Verfügbares"...
    ... vielleicht Realität bei Luxusgütern - denn "irgendwo" wird das frische Geld ja landen - Lohnerhöhungen für die Massen gab es aber wohl -leider,leider- wieder einmal nicht.

  • Die Briten haben nur deshalb NEIN gesagt, weil wir ehrlichen Europäer für die CITY keine Sonderrechte zulassen wollten.

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