Nach CEO-Rücktritten
Trump löst Berater-Gremien auf

Donald Trump löst die beiden wichtigsten CEO-Beratungsgremien des Weißen Hauses auf. Die Topmanager haben dem US-Präsidenten gar keine andere Wahl gelassen. Trump versucht nun, sein Gesicht in dem Desaster zu wahren.
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WashingtonDie am Mittwochmorgen hastig einberufene Telefonkonferenz hatte es in sich. Alle Teilnehmer des Strategic and Policy Forums waren eingeladen, darunter große Namen wie Jack Welch von General Electric, Jamie Dimon von JP Morgan, Ginni Rometty von IBM oder Mary Barra von General Motors. Einberufen hatte die Sitzung der Leiter des Forums, Stephen Schwarzman, Chef von der Private-Equity-Firma Blackstone.

Der Grund war allen klar: Es ging um die Zukunft des Beratergremiums nach dem Streit um Donald Trumps Äußerungen zu den Ausschreitungen in Charlottesville. Zuvor waren mehrere Firmenchefs aus einem ähnlichen CEO-Gremium ausgetreten, dem zur verarbeitenden Industrie. Darunter der Vorstandschef des Pharmaherstellers Merck, Kenneth Frazier, und Intel-Chef Brian Krzanich. Alle begründeten dies mit Trumps Haltung zu Charlottesville. Trump hatte am Dienstag rassistische Gewalttäter und Gegendemonstranten in Charlottesville gleichgesetzt. Er gab erneut beiden Seiten die Schuld.

Die Spitzenmanager des Strategic and Policy Forums entschlossen sich am Mittwoch zu einem unerhörten Schritt: Das Gremium wird aufgelöst. US-Medien zitierten einen CEO mit den Worten: „Angesichts der Kommentare der vergangenen Tage wollte niemand weiterhin als ein Unterstützer dieser Art von Entzweiung gelten.“ Alles andere als die Auflösung des Beraterkreises wäre allerdings auch eine Farce gewesen. Denn verschiedenen Medienberichten zufolge wollten ohnehin auch aus diesem Gremium mehrere CEOs zurücktreten.

Nur kurze Zeit später gab der US-Präsident per Twitter bekannt, die beiden Beraterkreise auflösen zu wollen. „Statt Druck auf die Geschäftsleute sowohl im Gremium für verarbeitende Industrie als auch Strategie und Politik auszuüben, löse ich beide auf“, schrieb er. Zu diesem Zeitpunkt war die Entscheidung des Strategic and Policy Forums allerdings schon bekannt. Trump blieb gar keine andere Wahl.

Es ist der Versuch einer Gesichtswahrung in einem Desaster: CEO Trump wird von seinen mit viel Fanfaren eingeführten Kollegen verlassen. Vor nur acht Monaten fanden sich rund 50 Vorstandschefs oder einflussreiche Manager in den beiden Gremien zusammen, um den Präsidenten in Wirtschafts- und Politikfragen zu beraten. Die Mehrheit von ihnen wendet jetzt Trump den Rücken zu.

Nach sechs Rücktritten in zwei Tagen kündigten am heutigen Mittwoch noch zwei weitere, einflussreiche CEOs ihren Rückzug an: Inge Thulin von 3M, dem Mischkonzern und Hersteller von den bunten Post-It-Zetteln, und Denise Morrison, Chefin von Campbell Soup: „Rassismus und Mord sind eindeutig verwerflich“, sagte Morrison, die zuvor hoch im Kurs von Trump stand. „Ich denke, der Präsident hätte – und sollte in Zukunft – in dem Punkt eindeutig sein müssen“.

Der Autor ist Managing-Editor des Handelsblatts in den USA. Quelle: Frank Beer für Handelsblatt
Thomas Jahn
Handelsblatt / Korrespondent New York

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