Nach CEO-Rücktritten Trump löst Berater-Gremien auf

Donald Trump löst die beiden wichtigsten CEO-Beratungsgremien des Weißen Hauses auf. Die Topmanager haben dem US-Präsidenten gar keine andere Wahl gelassen. Trump versucht nun, sein Gesicht in dem Desaster zu wahren.
Update: 16.08.2017 - 20:23 Uhr Kommentieren
Der US-Präsident erklärte am Mittwoch per Twitter, er habe die Arbeit des Strategieforums (Strategic and Policy Forum) und des Industrierates (Manufacturing Council) beendet. Quelle: AP
Donald Trump

Der US-Präsident erklärte am Mittwoch per Twitter, er habe die Arbeit des Strategieforums (Strategic and Policy Forum) und des Industrierates (Manufacturing Council) beendet.

(Foto: AP)

WashingtonDie am Mittwochmorgen hastig einberufene Telefonkonferenz hatte es in sich. Alle Teilnehmer des Strategic and Policy Forums waren eingeladen, darunter große Namen wie Jack Welch von General Electric, Jamie Dimon von JP Morgan, Ginni Rometty von IBM oder Mary Barra von General Motors. Einberufen hatte die Sitzung der Leiter des Forums, Stephen Schwarzman, Chef von der Private-Equity-Firma Blackstone.

Der Grund war allen klar: Es ging um die Zukunft des Beratergremiums nach dem Streit um Donald Trumps Äußerungen zu den Ausschreitungen in Charlottesville. Zuvor waren mehrere Firmenchefs aus einem ähnlichen CEO-Gremium ausgetreten, dem zur verarbeitenden Industrie. Darunter der Vorstandschef des Pharmaherstellers Merck, Kenneth Frazier, und Intel-Chef Brian Krzanich. Alle begründeten dies mit Trumps Haltung zu Charlottesville. Trump hatte am Dienstag rassistische Gewalttäter und Gegendemonstranten in Charlottesville gleichgesetzt. Er gab erneut beiden Seiten die Schuld.

Die Spitzenmanager des Strategic and Policy Forums entschlossen sich am Mittwoch zu einem unerhörten Schritt: Das Gremium wird aufgelöst. US-Medien zitierten einen CEO mit den Worten: „Angesichts der Kommentare der vergangenen Tage wollte niemand weiterhin als ein Unterstützer dieser Art von Entzweiung gelten.“ Alles andere als die Auflösung des Beraterkreises wäre allerdings auch eine Farce gewesen. Denn verschiedenen Medienberichten zufolge wollten ohnehin auch aus diesem Gremium mehrere CEOs zurücktreten.

Diese Berater kehren Trump den Rücken
Kenneth Frazier
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Der Chef des amerikanischen Pharmakonzerns Merck & Co. (nicht zu verwechseln mit der deutschen Firma Merck in Darmstadt) ist als Berater von Trump zurückgetreten. Der Afroamerikaner Frazier hatte seinen Rückzug via Twitter begründet: „Ich fühle mich verantwortlich, Stellung gegen Intoleranz und Extremismus zu beziehen.“ Trump reagierte beleidigt und attackierte den Merck-Chef und das Unternehmen auf Twitter scharf. Der Pharma-Manager habe nun mehr Zeit, die Wucherpreise für Medikamente zu senken.

Brian Krzanich
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Der CEO des Chipherstellers Intel begründete seinen Rückzug aus dem Gremium, das Trump in Industriefragen berät, auf Twitter: „Ich trete zurück, weil ich Fortschritte machen möchte, während viele Leute in Washingtonmehr damit beschäftigt zu sein scheinen, jeden zu attackieren, der nicht mit ihnen übereinstimmt.“

Kevin Plank
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Der Chef des Sportbekleidungsherstellers Under Armour teilte nach seinem Rückzug aus dem Beratergremium auf Twitter mit, dass er „sein Land und seine Firma liebe“ und sich nun ganz auf „die inspirierende und vereinende Kraft des Sports“ konzentrieren wolle.

Bob Iger
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Der Chef des uramerikanischen Unterhaltungskonzerns Walt Disney ist im vergangenen Juni als Trumps Berater zurückgetreten, weil er aus dem Pariser Klimaabkommen ausgestiegen ist.

Elon Musk
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Auch der Tesla-Chef ist bei Trump ausgestiegen, weil er mit der Klimapolitik des republikanischen Präsidenten alles andere als einverstanden ist. Für den Chef eines Unternehmens, das erfolgreich Elektroautos produziert, gehört sich das wohl auch. Musk zog sich damals sowohl aus dem „American Manufacturing Council“ als auch aus einem in allgemeinen Wirtschaftsfragen beratenden Gremium, dem „Business Advisory Council“, zurück.

Travis Kalanick
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Der ehemalige Chef des Fahrdienstes Uber verließ das Weiße Haus aus Protest bereits im Februar, noch bevor er als Chef des Fahrdienstes zurücktrat. Zur Begründung sagte Kalanick, seine Teilnahme sei falsch verstanden worden und nicht als Unterstützung von Präsident Trump oder seiner Agenda gemeint gewesen.

Richard Trumka
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Aus Verärgerung über den erneuten Rückfall Trumps in der Nacht auf Dienstag trat Gewerkschaftschef Richard Trumka kurz nach der Pressekonferenz des Präsidenten aus einem Beirat zurück. Trump hatte seine uneindeutige erste Reaktion auf die Gewalt in Charlottesville vehement verteidigt und erneut beiden Seiten die Schuld gegeben. Er müsse „im Namen aller arbeitenden Amerikaner, die jeden Versuch der Legitimierung dieser bigotten Grupppen ablehnen“, zurücktreten, sagte der Chef der Gewerkschaft AFL-CIO.

Nur kurze Zeit später gab der US-Präsident per Twitter bekannt, die beiden Beraterkreise auflösen zu wollen. „Statt Druck auf die Geschäftsleute sowohl im Gremium für verarbeitende Industrie als auch Strategie und Politik auszuüben, löse ich beide auf“, schrieb er. Zu diesem Zeitpunkt war die Entscheidung des Strategic and Policy Forums allerdings schon bekannt. Trump blieb gar keine andere Wahl.

Es ist der Versuch einer Gesichtswahrung in einem Desaster: CEO Trump wird von seinen mit viel Fanfaren eingeführten Kollegen verlassen. Vor nur acht Monaten fanden sich rund 50 Vorstandschefs oder einflussreiche Manager in den beiden Gremien zusammen, um den Präsidenten in Wirtschafts- und Politikfragen zu beraten. Die Mehrheit von ihnen wendet jetzt Trump den Rücken zu.

Nach sechs Rücktritten in zwei Tagen kündigten am heutigen Mittwoch noch zwei weitere, einflussreiche CEOs ihren Rückzug an: Inge Thulin von 3M, dem Mischkonzern und Hersteller von den bunten Post-It-Zetteln, und Denise Morrison, Chefin von Campbell Soup: „Rassismus und Mord sind eindeutig verwerflich“, sagte Morrison, die zuvor hoch im Kurs von Trump stand. „Ich denke, der Präsident hätte – und sollte in Zukunft – in dem Punkt eindeutig sein müssen“.

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