Nach Comey-Aussage
Trump sieht sich „umfassend rehabilitiert“

Der geschasste FBI-Chef James Comey hat bei einer Anhörung im US-Senat schwere Vorwürfe gegen Donald Trump erhoben. Nun schlägt der US-Präsident via Twitter zurück – obwohl er sich eigentlich zurückhalten wollte.
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US-Präsident Donald Trump hat die Anhörung des von ihm entlassenen FBI-Chefs James Comey als Erfolg verbucht. „Trotz so vieler Falschaussagen und Lügen, voll und ganz bestätigt“, schrieb er am Freitag auf Twitter. „Und WOW, Comey ist ein Leaker“, ergänzte der Republikaner.

Die Republikaner befürchteten im Vorfeld der Anhörung, dass Trump die Aussagen Comeys live per Twitter kommentieren und die ohnehin schon heikle Situation so noch weiter verschlimmern könnte. „Es gibt Spekulationen, dass er live twittern wird“, sagte Jeff Flake, der Senator von Arizona, dem Nachrichtensender CNN. „Ich würde sagen, dass das keine gute Idee ist. Ich denke, jeder würde ihm das so sagen.“ Auch Pat Roberts, der Senator von Kansas, warnte vor unüberlegten Tweets: „Das, was du nicht gesagt oder getwittert hast, hat dir noch niemals geschadet.“ Zunächst hielt der US-Präsident sich auch an die Ratschläge aus den eigenen Reihen. Am Tag nach der Anhörung juckte es Trump dann aber offenbar doch in den Fingern.

Comey hatte am Donnerstag in seiner mit Spannung erwarteten Aussage vor einem Senatsausschuss schwere Vorwürfe gegen Trump erhoben. Trump habe ihn gefeuert, um die FBI-Ermittlungen zu Russland zu untergraben, sagte Comey am Donnerstag vor dem Geheimdienstausschuss. Zudem gab er an, Notizen zu einem Gespräch mit dem Präsidenten gezielt über einen Freund an die Medien weitergeleitet zu haben.

Die Bundespolizei sollte herausfinden, ob Russland Einfluss auf den Präsidentenwahlkampf 2016 nahm. Er sei davon ausgegangen, dass Trump ihn in diesem Zusammenhang aufgefordert habe, die Ermittlungen gegen dessen Nationalen Sicherheitsberater Michael Flynn fallenzulassen. Trumps Anwalt wies die Vorwürfe zurück.

Comey bezichtigte Trump und die US-Regierung, in der Begründung seiner Entlassung gelogen zu haben. Die Folgen von Comeys öffentlicher Aussage sind unklar. Eine zentrale Frage ist, ob Comeys Entlassung selbst sowie Trumps Äußerungen zu den Flynn-Ermittlungen eine Behinderung der Justiz darstellen.

Fast nebenbei machte Comey klar, dass FBI-Sonderermittler Robert Mueller diese Frage klären werde. Die bisher auf die Russlandfrage konzentrierten Ermittlungen der Bundespolizei gehen damit nicht nur weiter, sie werden auch Trump selbst weiter unmittelbar beschäftigen.

Nach Comeys Aussage gerät auch Justizminister Jeff Sessions immer stärker in die Schlagzeilen. Dem Sender CNN zufolge hat er ein drittes Treffen mit dem russischen Botschafter Sergej Kisljak während des Wahlkampfes verschwiegen. Das soll Comey dem Senatsausschuss nach dem öffentlichen Teil hinter geschlossenen Türen gesagt haben.

Republikanische Senatoren machten deutlich, dass sie keine Beweise für einen Behinderung der Justiz durch Trump sähen. Demokraten sprachen dagegen von einem Verhaltensmuster Trumps, das darauf hinweise. Comeys Entlassung habe Ermittlungen untergraben sollen.

Michael Verfürden
Michael Verfürden
Handelsblatt / Freier Mitarbeiter
Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Nach Comey-Aussage: Trump sieht sich „umfassend rehabilitiert“"

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  • Unfassbar die ganze Geschichte. Wenn man zu Uwe Barschels zeiten vorhatte, einen Schmutzwahlkampf gegen seinen Gegner durchzuführen, musste man noch auf eigene Kosten, und auf eigenes Risiko einen Mann fürs Dreckige (Rainer Pfeiffer) engagiern. Heute geht das viel einfacher. Vorrausgesetzt man vertritt EU-feindliche, NATO-feindliche und sonstwie rechtsradikale Positionen kann man sich einfach an den russischen Geheimdienst wenden. Der schickt seine hacker und Trolle los, völlig gratis! Alles auf Kosten der russischen Steuerzahler. SO geht "moderne Politik" a la Putin-Trump heute. Es ist zum übel werden!

  • Hallo Herr Gerd...die US Amerikaner sind meist nicht so nachtragend. Insofern nehme ich an, der Ex. FBI Chef wird zunächst ein Buch schreiben und späbei bei einer Sicherheitsfirma anheuern.

  • Wie soll er es auch anders sehen; er hat nun mal eine gestörte Wahrnehmung der Realität. Mir tut nur Comey leid, denn der ist jetzt mit Sicherheit in einer lebensbedrohlichen Situation; im besten Falle wird sein weiteres Leben sehr sehr schwer

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