Nach dem Attentat auf Bhutto
Bushs Pakistan-Politik vor Scherbenhaufen

Benazir Bhutto war nicht nur in ihrem Heimatland die Hoffnung von Millionen auf eine demokratische Zukunft. Auch Washington sah in der Oppositionsführerin eine Schlüsselfigur, um die strauchelnde, einzige islamische Atommacht vom möglichen Sturz in den Abgrund zu bewahren. Nun steht die Regierung von George W. Bush vor einem Scherbenhaufen. Und die Optionen sind begrenzt.

HB WASHINGTON. Sorgfältig und mit viel Geheimdiplomatie hatte die US-Regierung ihre Rückkehr nach Pakistan im Oktober eingefädelt. Schon seit einiger Zeit war klar, dass das Weiße Haus von Präsident Pervez Musharraf, dem erklärten Verbündeten im Kampf gegen den militanten Islam, abrückte. Trotz Milliarden von Dollar an Militärhilfe entsprachen Islamabads Erfolge im Krieg gegen den Terror nicht eben dem, was die US-Regierung sich erhofft hatte. Derweil wuchs im eigenen Land der Widerstand gegen Musharraf. Seine zunehmend harte Hand gegen politische Widersacher machte es Washington immer schwerer, glaubwürdig als Anwalt für die weltweite Verbreitung der Demokratie aufzutreten. Doch ganz verzichten konnten die USA auf den Präsidenten auch nicht - zu groß ist der Einfluss des Ex-Generals auf die allmächtigen Streitkräfte Pakistans.

Benazir Bhutto sollte es richten, sollte im Gespann mit Musharraf das demokratische, moderate Element einer künftigen Regierung in Islamabad sein. Doch angesichts der tiefen Kluft zwischen den beiden Politikern zweifelte auch in der US-Regierung so mancher an dem Plan. Nun liegt alles in Trümmern. „Der Mord zeigt auf spektakuläre Weise das Scheitern der beiden wichtigsten Ziele Bushs in der Region“, schrieb die „New York Times“ am Freitag. „Sein Bestreben, der muslimischen Welt Demokratie zu bringen und militante Islamisten zurückzudrängen, die sich zäh in Pakistan halten.“

Für Washington hat nun die hektische Suche nach einem politischen Verbündeten in Pakistan begonnen, der die Lücke füllen könnte. Die Zeit drängt. Niemand hegt Zweifel, dass dem Land in noch viel dramatischer Weise als bisher ein Abrutschen in das Chaos droht - und abermals wächst die Sorge, das Nukleararsenal könnte in die falschen Hände geraten.

Seite 1:

Bushs Pakistan-Politik vor Scherbenhaufen

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%