Nach dem Brexit-Votum
Wie der EU-Austritt die Polen erschüttert

Viele Polen fühlen sich in Großbritannien fast wie zu Hause. Doch der geplante Brexit könnte sie um Lohn und Brot bringen. Das könnte fatale Auswirkungen auf die britische Wirtschaft haben.
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LondonZimmermädchen, Erntehelfer, Busfahrer - viele schlecht bezahlte Jobs in Großbritannien werden von Polen erledigt. Als Arbeitskräfte lange heiß begehrt, haben viele Osteuropäer ein halbes Jahr nach dem Brexit-Votum nun Existenzängste. Sie sei unsicher, wie es weitergehe, sagt etwa eine junge Kellnerin, die seit drei Jahren in London lebt. Fremdenfeindliche Angriffe fachen die Ängste noch an.

Nach dem EU-Beitritt ihres Landes 2004 wanderten zahlreiche Polen aus. Besonders begehrt war - neben Schweden und Irland - Großbritannien. Denn diese Länder öffneten als erste den Arbeitsmarkt für Neuankömmlinge aus dem Osten - im Gegensatz zu Deutschland, das erst Jahre später die sogenannte Arbeitnehmerfreizügigkeit zuließ. Viele Polen sparten ihr Geld und kehrten irgendwann wieder in ihre Heimat zurück. Andere blieben und holten ihre Familien nach, etliche machten sich sogar selbstständig.

Mehr als 850.000 Polen leben Schätzungen zufolge zurzeit in Großbritannien; damit sind sie die größte Gruppe der EU-Ausländer. Brexit-Befürworter fürchten Risiken durch eine unkontrollierte Einwanderung. Sie werfen den Fremden die wachsende Wohnungsnot, das überlastete Gesundheitssystem und Mangel an Arbeitsplätzen vor. Brexit-Gegner fürchten dagegen erhebliche Folgen für die Wirtschaft bei einem Austritt aus der EU, etwa in Hotels und Restaurants.

„Die Konsequenzen könnten fatal sein“, warnt Ufi Ibrahim von der British Hospitality Association. Etwa 15 Prozent der Angestellten, die in Hotels und im sonstigen Tourismusbereich arbeiten, kommen nach ihren Angaben aus einem anderen EU-Land. Diese 700.000 Arbeitskräfte seien nicht einfach so durch Briten zu ersetzen, wiederholt die Expertin des Fachverbandes gebetsmühlenartig in Interviews. Steigende Löhne und ein schwächelndes Pfund könnten der Wirtschaft schaden.

Die Bauindustrie fürchtet um ihre Maurer, und Altersheime bangen um ihre Pfleger, falls billigen Arbeitskräften vor allem aus Osteuropa der Zugang zum Arbeitsmarkt verwehrt werden sollte. Die Diskussion über den Brexit habe schon erste Erntehelfer aus dem Ausland abgeschreckt, berichten Landwirte. „Briten übernehmen solche Arbeiten nicht, weil es sich um Saison-Arbeit in ländlichen Regionen handelt, die nur schwer zu erreichen sind. Du arbeitest bei jedem Wetter (...), und Saison-Arbeit bedeutet, dass du von Farm zu Farm ziehen musst“, sagte Ali Capper vom Nationalen Verband der Landwirte (National Farmers' Union) unlängst der Zeitung „The Guardian“. Capper baut Äpfel und Hopfen an.

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Polen sind den Schotten ein Dorn im Auge

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  • "Polen sind den Schotten ein Dorn im Auge"
    Sorry, die Hintergrundinformation ist in seinem tatsächlichen zeitlichen Ablauf nicht stimmig. "Die Schotten" kamen in den vierziger und fünfziger Jahren nach Corby und die letzten der damaligen Zuwanderer sind bereits verstorben oder kurz davor. Die heute dort lebenden sind die Kinder und Enkel dieser Generation; dort geboren, aufgewachsen und nun dort arbeitend. Deren Mentalität hat mir "den Schotten" nur noch sehr wenig gemeinsam. Im Prinzip sind dies heute im wesentlichen Engländer. Ein Großteil der heute dort lebenden Bevölkerung sind ex- Cockneys, also aus dem Großraum Londons in den siebziger Jahren zugezogene Engländer mit entsprechender Mentalität. Tatsächlich wählten nur 36% für "Drinbleiben".(stay) Demgegenüber wählten 62% der Schotten im Norden für "STAY"

  • Herr Berger,

    sehe ich nicht anders und würde ihren Ausführungen beipflichten.

    Diese amerikanisch geführten Consultings sind schon clever. Verdienen mit unseren Kindern 3000 Euro am Tag für eine Menge überflüssige Transformation, Implementierung etc. pp.und verheizen unsere Kids mit 15 bis 18 Stundentage.

    So funktioniert amerik. BUSINESS und einige Schafe machen mit.

  • @ Herr J. Schwarz ....."McKinsey die Politik für 3000 Euro pro Tag und Mitarbeiter unterstützt"
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    Tja, das ist ein gesundes Geschäft für McKinsey etc. Kommt Ihnen da aus Ihrem Berufsalltag vielleicht nicht etwas bekannt vor ?
    Der CEO hat ein kitzeliges Problem im Unternehmen gesichtet und sucht nach einer Lösung. Er denkt : Löse ich das Problem persönlich und es wird ein Fehlschlag, bin ich der Schuldige und evtl. meinen Job los. Also schaltet er das Beratungsunternehmen ein. Wird die Expertise dann zu einem Fehlschlag, ist der Berater der Schuldige. Umgekehrt werde ich für die erfolgreiche Einschaltung des Beratungsunternehmens belobigt ---- mit Boni etc.etc.
    Deutsche Unternehmen zahlen jährlich Millionen an unnötigen Beratungskosten wegen "Drückebergern" im Management.

    Die Politik lernt hin und wieder auch und zahlt im konkreten Fall Millionen an McKinsey für Ratschläge, die man bei der Putzfrau auch hätte einholen können.

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