Nach dem EU-Krisengipfel
Doppelte Einseitigkeit bei der Anerkennung

Südossetien und Abchasien - bisher hat kaum eine Nation außer Russland die Provinzen als unabhängig anerkannt. Allenfalls Venezuela oder Weißrussland könnten folgen. Doch der Westen kann nicht zufrieden sein: Die eigene Anerkennungspraxis ist nicht erfolgreicher.

BERLIN. Die einseitige russische Anerkennung Südossetiens und Abchasiens hat ein weltweites Wettrennen um die Anerkennung der abtrünnigen georgischen Provinzen ausgelöst. Während Russland seit Tagen andere Staaten zu überzeugen versucht, seinem Schritt zu folgen, dringen westliche Länder darauf, genau dies nicht zu tun. Denn die Integrität des Staates Georgien - immerhin vollwertiges Uno-Mitglied - müsse gewahrt bleiben.

Geschockt reagierte der Westen auch deshalb, weil quer durch die politischen Lager die einseitige Anerkennung durch Russland als Sackgasse ohne erkennbaren Ausweg empfunden wurde. Denn nicht nur in deutschen Regierungskreisen wird festgestellt, dass Moskau seinen Schritt nun kaum ohne größeren Gesichtsverlust korrigieren könne.

Gleichzeitig kann Russland aber auch nicht hoffen, dass die Zahl der Staaten, die die abtrünnigen georgischen Provinzen anerkennen werden, jemals zweistellig werden wird. Eine völkerrechtliche Legitimität der Abspaltung rückt damit in weite Ferne.

Bisher haben außer Weißrussland und Venezuela jedenfalls keine Länder angedeutet, Russland vielleicht folgen zu wollen. In Serbien gibt es aus alter Verbundenheit mit Moskau immerhin eine Debatte über diese Frage. Aber sogar die Moskau eher nahestehenden zentralasiatischen Ex-Sowjetrepubliken sind zurückhaltend. Auf dem gerade beendeten Treffen der Schanghai-Kooperationsorganisation haben sich weder sie noch China hinter Moskau gestellt.

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