Nach dem Gefangenenaustausch
Israel wehrt sich gegen Verherrlichung von Kuntar

Nach den Freudenfeiern im Nachbarland Libanon wehrt sich Israel gegen die Verherrlichung des am Mittwoch freigelassenen Top-Terroristen Samir Kuntar. Dafür lancierte das israelische Außenministerium ein Video auf dem Internetportal YouTube.

HB TEL AVIV. Das Video des israelischen Außenministeriums ist in arabischer Sprache. In der Aufnahme erklärt sich Israel zum „moralischen Sieger“ des Gefangenenaustauschs vom Mittwoch. In arabischer Sprache sagt der Mitarbeiter des israelischen Außenministeriums Ofir Gendelman: „Für Hisbollah ist Samir Kuntar ein erstklassiger Held, während er für Israel und den Rest der zivilisierten Welt der verabscheuungswürdigste Mörder ist“. Hisbollah sei eine Terrororganisation, die vom Iran finanziert werde und stolz auf einen kaltblütigen Mörder sei.

Der 45 Jahre alte Kuntar, der am Sonntag nach rund drei Jahrzehnten Haft in Israel erstmals wieder seinen Geburtstag in Freiheit feiert, ist im Libanon nach seiner Freilassung am Mittwoch wie ein Volksheld gefeiert worden. „Deine Rückkehr heute ist ein Segen für den ganzen Libanon“, sagte Präsident Michel Suleiman während einer Empfangszeremonie auf dem internationalen Flughafen von Beirut. „Die Tage der Niederlage sind vorbei. Der Sieg ist gekommen“, sagte später Hisbollah-Führer Hassan Nasrallah während seines ersten öffentlichen Auftritts seit Dezember 2006.

Israels Präsident Schimon Peres äußerte sich entsetzt über die Freudenfeiern im Libanon und bezeichnete diese als Schande. „Der Libanon feiert einen Sieg. Die Staatsführung und die Hisbollah-Führung heißen Samir Kuntar willkommen, einen Mörder, der mit einem Gewehrkolben und bloßen Händen den Kopf des vierjährigen Mädchens Einat zerschmettert und danach kaltblütig ihren Vater erschossen und später nie Reue gezeigt hat“, sagte Peres.

Der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert äußerte sich ebenfalls empört über die Feiern im Nachbarland: „Wehe einer Nation, die im Moment die Freilassung eines „menschlichen Tieres' feiert, das den Kopf eines vier Jahre alten Mädchen zerschmettert hat“, heißt es in einer Erklärung vom Mittwoch.

Der Gefangenenaustausch war von einem deutschen Geheimdienstler vermittelt worden. Israel hatte nicht nur fünf Häftlinge entlassen, sondern auch die sterblichen Überreste von Hisbollah-Kämpfern und Palästinensern ausgehändigt. Im Gegenzug bekam das Land die Leichen zweier entführter Soldaten zurück. Es war die erste Bestätigung des Todes der beiden Reservisten, die vor zwei Jahren verschleppt wurden. Die Entführung löste seinerzeit den Libanonkrieg aus.

Einen Tag nach dem Austausch wurde der erste der beiden überführten israelischen Soldaten, Ehud Goldwasser, mit allen militärischen Ehren beigesetzt. An der bewegenden Trauerfeier auf dem Militärfriedhof von Naharia im Norden Israels nahmen mehrere tausend Personen teil, darunter Angehörige, Freunde des Toten sowie Verteidigungsminister Ehud Barak. Barak versprach, dass Israel auch künftig alles tun werde, um Soldaten nach Hause zu bringen.

Goldwasser war am 12. Juli 2006 gemeinsam mit Eldad Regev während einer Patrouille von der Hisbollah entführt worden. Beide Soldaten sollen nach ersten Untersuchungen unmittelbar nach ihrer Gefangennahme an den Folgen von Schussverletzungen in Brust und Kopf gestorben sein. Regev soll noch am Donnerstag auf dem Militärfriedhof von Haifa beigesetzt werden.

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