Nach dem israelischen Abzug
Ex-Synagogen im Gaza-Streifen in Brand gesteckt

Zu Tausenden sind die Palästinenser am Montag in die verlassenen Siedlungen im Gaza-Streifen geströmt und haben den israelischen Abzug gefeiert, den die Armee in der Nacht abgeschlossen hatte.

HB NEWE DEKALIM. Als Symbol ihres Hasses auf die jahrzehntelange Besatzung griffen Palästinenser in den Siedlungen zuerst die verlassenen Synagogen an und setzten sie in Brand. Die Palästinenser-Regierung hatte bis zuletzt von Israel gefordert, die Synagogen selber abzureißen oder abzutragen. Unter Druck von Rabbinern und nationalistischen Kreisen beschloss das israelische Kabinett jedoch, die Gebäude stehen zu lassen und damit ihre religiöse Bedeutung zu respektieren.

Die Zerstörungswut der Palästinenser löste in Israel heftige Reaktionen aus. "Dass sie angezündet werden, schafft nicht gerade ein neues Umfeld für eine hoffnungsvolle Zukunft", sagte ein Berater von Ministerpräsident Ariel Scharon. "Wir erwarten, dass die Palästinenser die Strukturen intakt lassen, unberührt und erhalten", sagte ein Sprecher aus Scharons Büro.

Die israelische Armee hatte das Küstengebiet im Morgengrauen nach fast vierzigjähriger Besatzung vollends verlassen. Es ist das erste Mal, dass Israel ein zusammenhängendes Gebiet aufgibt, das die Palästinenser für einen eigenen Staat beanspruchen. Schon in der Nacht feierten die Palästinenser den Abschluss des israelischen Abzuges mit Freudenschüssen.

Am Morgen zogen ganze Großfamilien mit Eiscreme und Süßigkeiten zu den Siedlungen, mit deren Hilfe Israel das dicht besiedelte Gebiet jahrelang kontrolliert hatte. Sie kletterten über die Schuttberge der von Israel zuletzt zerstörten Gebäude, suchten nach Brauchbarem und pflanzten palästinensische Fahnen auf. Viele strömten an die Strände am Mittelmeer, die für sie seit Jahrzehnten gesperrt waren. In der für sie ungewohnten schweren Brandung ertranken fünf junge Palästinenser.

Auch an der Grenze des Gebiets zu Ägypten herrschte Hochbetrieb. Rund 3000 Palästinenser und Ägypter seien über die Grenze geströmt, um Verwandte und Freunde wiederzutreffen, sagte ein Polizist. Augenzeugen zufolge erschossen die ägyptischen Grenzpolizisten einen Palästinenser, als sie des Tumults nicht mehr Herr wurden und die Menschen sich nicht mehr zurückdrängen ließen. Die Polizei wies die Angaben aber zurück.

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