„Nach dem Kreml“
Gorbatschow stellt neues Buch vor

Bei der Vorstellung seines neuen Buches „Nach dem Kreml“, plaudert Friedensnobelpreisträger auch über ein Treffen mit Kanzlerin Merkel. Für Russlands Präsidenten Wladimir Putin fand er überraschend lobende Worte.
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MoskauEx-Sowjetpräsident Michail Gorbatschow hat in Moskau seinen Erinnerungsband „Posslje Kremlja“ („Nach dem Kreml“) vorgestellt. Er habe vor kurzem in Berlin mit Bundeskanzlerin Angela Merkel ein „hochinteressantes Gespräch“ geführt, sagte der Friedensnobelpreisträger am Donnerstagabend vor zahlreichen Gästen in einer Buchhandlung. „Es war vertraulich, daher will ich den Inhalt zunächst dem Präsidenten (Wladimir Putin) mitteilen“, meinte der 83-Jährige, der als einer der Wegbereiter der Deutschen Einheit gilt.

Merkel hatte mit dem Ex-Kremlchef anlässlich des 25. Jahrestags des Mauerfalls vermutlich über die Ukraine-Krise gesprochen. Zu dem Konflikt sagte Gorbatschow in Moskau, Russland und der Westen müssten einen Kompromiss finden. „Noch gibt es keinen solchen Kompromiss, aber ich halte ihn für möglich – sonst verlieren alle.“ Er verteidigte den umstrittenen Beitritt der Halbinsel Krim zu Russland.

Gorbatschow, der in den vergangenen Jahren Putin wiederholt kritisiert hatte, fand lobende Worte für den amtierenden Präsidenten. „Er hat Russland vor dem Zerfall gerettet. Obwohl dabei autoritäre Methoden verwendet wurden, war Putins Ziel im Interesse der Mehrheit.“ Er hoffe, dass Putin nicht überheblich werde. „Es gibt keine stärkere Staatsform als die Demokratie. Nichts ist stärker als das Volk.“

Trotz zuletzt schwerer Operationen an der Halsschlagader sowie an der Prostata und der Wirbelsäule wirkte Gorbatschow rüstig. Er sei sich seines hohen Alters aber bewusst, sagte er. „Meine Mitstreiter (Ex-Bundeskanzler Helmut) Kohl und (Ex-US-Präsident George) Bush sind sogar im Rollstuhl – aber wir sind zäh“, sagte „Gorbi“, wie ihn Deutsche gerne nennen, mit rauer Stimme und südrussischem Akzent.

Das mehr als 400 Seiten starke Buch „Posslje Kremlja“ wurde für 520 Rubel (etwa neun Euro) angeboten. Darin zieht Gorbatschow auch Bilanz über die Zeit rund um den Zusammenbruch der Sowjetunion 1991. Der in seiner Heimat umstrittene frühere Staatschef versuchte die UdSSR mit Glasnost (Offenheit) und Perestroika (Umgestaltung) zu reformieren. In den Augen vieler Russen gilt er als führungsschwacher Politiker.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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