Nach dem Mubarak-Sturz
Ägypten kämpft um Touristen, Aufschwung und Stabilität

Die Revolutionswirren in Ägypten vertreiben die Besucher und belasten die Wirtschaftsbilanz des Landes schwer. Außerdem belastet ein neuer Gas-Streit die bilateralen Beziehungen in der Region.
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KairoKairo wirbt massiv um ausländische Besucher, die Ägypten angesichts der Unruhen seit Monaten meiden. Dazu wird das Land Partner der weltweit wichtigsten Reisemesse, der Internationalen Tourismusmesse in Berlin (ITB). Einen entsprechenden Vertrag unterzeichneten Tourismusminister Mounir Fakry Abdel-Nour und der Chef der Messe Berlin, Christian Göke, gestern vor den Pyramiden von Gizeh.

Die Leitmesse soll das Image Ägyptens als Urlaubsland wieder verbessern. Das Land musste im Zuge der Revolution gegen den im Februar gestürzten Diktator Hosni Mubarak erhebliche Einbußen in seinem Fremdenverkehr hinnehmen. Abdel-Nour rechnet für dieses Jahr mit 10,5 Millionen Gästen und 9,5 Milliarden Dollar Umsatz. 2010 seien noch 14,8 Millionen ausländische Touristen an den Nil und ans Rote Meer gekommen und hätten der Tourismuswirtschaft 12,5 Milliarden Dollar Einnahmen beschert.

Der Sektor ist extrem wichtig für das Land: Die Branche erwirtschaftet ein Achtel des Bruttoinlandsprodukts (BIP) und stellt auch jeden achten Arbeitsplatz. Inklusive der Familien der Beschäftigten sind laut Abdel-Nour 20 der 85 Millionen Ägypter vom Tourismus abhängig.

Für große deutsche Reiseveranstalter wie Tui ist Ägypten ein wichtiges Zielland. 1,6 Millionen Touristen bringt der Dax-Konzern in das Land, davon 400 000 aus Deutschland. „Wir haben ein großes Interesse an stabilen Verhältnissen und daran, dass Ägypten alles dafür tut, den Tourismus wiederanzukurbeln“, sagte Günther Ihlau, Direktor Internationale Beziehungen des Unternehmens.

Das Umfeld für die Branche bleibt aber schwierig. Die erneuten Unruhen im Zentrum Kairos belasten die Nachfrage, Stornierungen drohen. Die Hotelauslastung in der Hauptstadt ist auf 15 Prozent gesunken - und unter den verbliebenen Gästen sind viele ausländische Fernseh-Crews, die über die Parlamentswahlen und Straßenschlachten berichten.

Vor allem der sich abzeichnende Wahlsieg der islamischen Moslembruderschaft und der radikaleren salafistischen Al-Nur-Partei bereitet Tourismusmanagern Sorgen: „Ich befürchte, dass unter ihrer Herrschaft die Branche kollabiert“, sagte der Chef von Ägyptens Tourismusvereinigung, Elamy El-Zajat: „Sie denken nur an Bikini- und Alkoholverbote und getrennte Strände für Männer und Frauen. Das wäre das Aus.“ Die Moslembrüder können nach Auszählung der ersten zwei Wahlrunden mit 40, die Salafisten mit 25 Prozent der Mandate im ersten frei gewählten Unterhaus rechnen.

Ehab Mussa vom Tourismusförderverband fordert von den Islamisten, sich ein Vorbild an Tunesiens Ennahda-Partei zu nehmen: Die dortigen islamischen Wahlsieger wollten die Regeln an Stränden und Bars nicht antasten.
Tourismusminister Abdel-Nour, ein christlicher Kopte und früher Chef der liberalen Wafd-Partei, hat nur eine Hoffnung: „Wenn sie erst einmal regieren, verblasst so manches Parteiprogramm und es setzt sich Pragmatismus durch.“ Insgesamt haben die arabischen Länder dieses Jahr sieben Milliarden Dollar weniger an Tourismuseinnahmen zu verkraften, hat die Arab Tourism Organization errechnet: Durchschnittlich kämen zwölf Prozent weniger Reisende in die Länder.

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Gasexport: Streit mit Israel

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Wirtschaft in der Krise

Kommentare zu " Nach dem Mubarak-Sturz: Ägypten kämpft um Touristen, Aufschwung und Stabilität"

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  • Aegypten kaempft mit aller Vehemenz gegen Tourismus, aber fuer Terrorismus, gegen Aufschwung und Stabilitaet, aber fuer dessen Sieche und Mittelalterrueckkehr.

  • Ich hab's zwar nicht gesehen aber die Berichte gehört, in denen ägyptisches Militär in die Krankenhäuser eindringt, in die die Verwundeten gebracht wurden.

    So sehr ich den Aufstand der jungen Aufgeklärten begrüße - ein Blick in die Geschichtsbücher reicht, um zu issen wie es weitergehen wird.

    Das hat dann nichts mit "Islam" zu tun, es ist einfach das Gesatz von Stark und Schwach. Das Militär hat nun eben die Waffen und die Studenten "nur" ihre Ideen. Die werden sich in einigen Jahren durchsetzen, aber bis dahin wird wohl erst eine Menge Blut fließen.

    Kein Grund, gerade dort Urlaub zu machen ...

  • trotzdem würde ich persönlich nicht einreisen wollen. habe vor einigen tagen ein video gesehn wo menschen am boden zu tode geprügelt worden sind.

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