Nach dem Putsch

Honduras: Der schöne Schein der Normalität

Knapp hundert Tage sind vergangen, seit dem Militärs Staatschef Manuel Zelaya aus dem Amt jagten. Kapp hundert Tage blieb die andauernde Rebellion gegen die Putschisten ohne greifbares Ergebnis. Honduras befindet sich in einem Schwebezustand zwischen Rebellion und Resignation.
  • Klaus Ehringfeld
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Lautstarke Fürsprecher des in der brasilianischen Botschaft harrenden Präsidenten Manuel Zelaya. Quelle: Reuters

Lautstarke Fürsprecher des in der brasilianischen Botschaft harrenden Präsidenten Manuel Zelaya.

(Foto: Reuters)

TEGUCIGALPA. In einem vornehmen Hotel eines zerrissenen Landes sitzt Walter Hernández und ist kurz davor zu resignieren. Seine Arme hängen über der Lehne eines Korbsessels. Er nippt an seinem Wasser und sagt: „Wir waren zu optimistisch, als wir dachten, wir könnten den Putschpräsidenten schnell wieder los werden.“

Es ist Tag 98 einer neuen Zeitrechnung in Honduras. Sie begann im Morgengrauen des 28. Juni, als Militärs den gewählten Staatschef Manuel Zelaya im Pyjama und ohne Socken mit vorgehaltener Waffe aus Amt und Land jagten. Kein Tag ist seither vergangen, ohne dass Menschen wie Werbefachmann Hernández auf die Straßen gehen, die Wiedereinsetzung von Zelaya fordern.

Doch die fast hundert Tage Rebellion gegen die Putschregierung sind ohne greifbares Ergebnis geblieben. Stattdessen zählt das Land ein halbes Dutzend Tote, hunderte Festgenommene, die Wirtschaft befindet sich im freien Fall, die ohnehin große Armut steigt fast täglich. Doch die Verschwörer um Roberto Micheletti weigern sich zu verhandeln, setzen auf Zeit und Repression. Und die internationale Gemeinschaft ist sich in der Ablehnung des Putsches einig wie selten, aber machtlos wie immer.

So sitzt Zelaya nach seiner Rückkehr vor zwei Wochen im eigenen Land im Exil, eingeschlossen in der brasilianischen Botschaft der Hauptstadt Tegucigalpa. Aus Angst vor Zelayas Anhängern hat Micheletti für 45 Tage den Ausnahmezustand verhängt, oppositionelle Medien schließen lassen, Versammlungs- und Pressefreiheit eingeschränkt. Seither gehören Protestkundgebungen mit bis zu zwanzigtausend Teilnehmern der Vergangenheit an.

Ein paar Kilometer von dem vornehmen Hotel entfernt hat Carla Lara ihre Angst überwunden. Gemeinsam mit elf anderen Frauen harrt sie vor der Absperrung aus, die Polizei und Militär um die brasilianische Botschaft gezogen haben. Alle tragen schwarze Kleidung und schwarzes Kopftuch. Und viel Wut in sich. „Wir sind hier, damit die Bevölkerung, aber auch die Putschisten sehen, dass wir keine Angst haben, dass wir weitermachen“, sagt die 40-Jährige. Seit die Putschisten den Ausnahmezustand verhängt haben, sind Versammlungen mit mehr als 20 Menschen verboten. Sobald sich mehr Demonstranten vor den geschlossenen Medien oder der brasilianischen Botschaft versammeln, rücken Sicherheitskräfte mit Schlagstöcken und Wasserwerfern an.

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