Nach dem Tod bin Ladens
Warum Al Kaida ein florierendes Terror-Unternehmen bleibt

Auch nach dem Tod von Osama bin Laden wird der globale Terrorismus die Welt in Atem halten, ist Tilman Brück überzeugt. In einem Gastbeitrag erklärt der DIW-Ökonom, was die Stärke des Terrornetzwerks Al Kaida ausmacht.
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DüsseldorfDer Tod Osama bin Ladens hat aus wirtschaftswissenschaftlicher Sicht Kosten und Nutzen. Die ökonomischen Studien zu den Ursachen von Terrorismus zeichnen ein sehr vielschichtiges Bild, warum der globale Terrorismus heute so weit verbreitet ist und sich so viele Menschen auf der Welt darum Sorgen machen. Keine dieser Studien lässt aber den Schluss zu, dass der plötzliche Tod des Anführers der Al-Kaida-Bewegung nun zu einem Ende des globalen, islamistischen Terrorismus führen würde. Im Gegenteil, Al Kaida ist ein robustes Phänomen, das auch ohne seinen Gründer weiter bestehen wird.

Volkswirte haben viele mögliche Erklärungsfaktoren für Terrorismus empirisch getestet. Terrorismus kann durch Armut oder bestimmte innen- oder außenpolitische Konstellationen ausgelöst werden. Ebenso scheinen manchmal demographische oder sogar geographische Faktoren eine Rolle zu spielen. Ideologie und Religion sind auch wichtige Treiber von Terrorismus.

Der Tod des wichtigsten Terroristen der Welt der letzten zehn Jahre ändert zunächst keine dieser möglichen strukturellen Ursachen von Terrorismus. Weder wird Afghanistan oder Pakistan umgehend demokratischer oder wohlhabender, noch werden religiöse Konflikte in der Region nun friedlicher oder pragmatischer geführt oder gelöst werden.

Vieles deutet auch darauf hin, dass es eine innere Logik von Terror-Unternehmen und ihren Chefs gibt. Organisationen wie Al Kaida existieren auch, weil ihre Gründer Plattformen suchen, sich und ihre Ideen darzustellen und weil sie Macht über ihre Untergebenen ausüben wollen. Ähnlich wie andere Gruppen-basierte Institutionen einschließlich Firmen konkurrieren die Terrorzellen um Finanzierungen und Mitarbeiter - unter anderem mit einem Wettstreit der Angriffe und des Presseechos. Größere, ungewöhnlichere Angriffe verbreiten die eigene Ideologie - aber ziehen auch neue Ressourcen und Täter an. So entsteht ein Teufelskreis. Diese Logik der Gewalt kann durch das Ausschalten einzelner Anführer nur bedingt unterbrochen werden. Al Kaida ist zu etabliert, als dass es als One-Man-Show nur von bin Laden abhängen würde.

Es gibt weitere unerwartete Kosten des Todes von bin Laden. So zeigen die Daten des Sozio-ökonomischen Panels, einer Langzeitstudie am DIW in Berlin, dass sich erstaunlich viele Menschen in Deutschland große Sorgen um den globalen Terrorismus machen. Als 2007 diese Frage zum ersten Mal erhoben wurde, gab es keine Sorge, die die Deutschen mehr umtrieb als die um den globalen Terrorismus. Aktuellere Krisen an den Finanzmärkten mögen zeitweilig dazu geführt haben, dass die Sorgen um den Terrorismus vom Spitzenplatz verdrängt wurden. Aber da die direkten, persönlichen Erfahrungen mit Terrorismus in Deutschland heutzutage zum Glück praktisch gegen Null tendieren, ist klar, dass es die Berichterstattung der Medien ist, ausgelöst durch aktuelle Ereignisse der Terroristen im Ausland und des Kampfes gegen den Terrorismus im In- und Ausland, die die Sorgen in Deutschland verursachen. Deutschland hatte ja in den letzten Jahren kaum terroristische Anschläge - und wenn, dann waren nur sehr wenige Menschen direkt betroffen.

Kommentare zu " Nach dem Tod bin Ladens : Warum Al Kaida ein florierendes Terror-Unternehmen bleibt"

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  • Natürlich muss Al Kaida weiter herhalten.
    Wird gerade so viel Propaganda gemacht und die Osamas Leiche aus dem Keller geholt um einen neuen, noch größeren Inside Job durchzuziehen ?
    Dient es auch um von dem offensichtlich gefälschten Geburtsdokument von Obama abzulenken ?
    Der Dollar hat fertig - da muss was passieren ....

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