Nach dem Tod von Ibrahim Rugova: Im Kosovo drohen neue Unruhen

Nach dem Tod von Ibrahim Rugova
Im Kosovo drohen neue Unruhen

Der Tod des Staatspräsidenten der Balkanprovinz Kosovo, Ibrahim Rugova, hat in aller Welt Betroffenheit und Besorgnis ausgelöst. Bundeskanzlerin Angela Merkel betonte, unter Rugovas Führung habe Kosovo in den letzten Jahren wichtige Fortschritte auf dem Weg zu Demokratie, Rechtsstaat und Marktwirtschaft gemacht. „Sein Bekenntnis zu Gewaltfreiheit sei Vermächtnis für alle jene, die im Kosovo Verantwortung tragen“, so Merkel. Uno-Generalsekretär Kofi Annan appellierte an alle politischen Kräfte der Provinz, einig zu bleiben und die Weichen für einen Erfolg der geplanten Verhandlungen über die Zukunft Kosovos zu stellen.

PRISTINA. Beobachter befürchten, der Tod Rugovas könne neue Unruhen in der Provinz auslösen, die seit 1999 von der Uno verwaltet wird. Konflikte in diesem krisengeschüttelten Gebiet könnten den Balkan destabilisieren und damit auch die Sicherheit der Europäischen Union gefährden. Deutschland hat 2 600 Soldaten im Kosovo stationiert, die im Rahmen der Nato-Friedenstruppe Kfor Dienst tun.

Rugova, der seit langem an Lungenkrebs litt, war am Samstag im Alter von 61 Jahren gestorben. Seit zwei Jahrzehnten gehörte er zu den führenden Politikern im Kosovo. Vehement setzte er sich für eine friedliche Lösung des Kosovo-Konflikts ein, die nach seinem Willen zur staatlichen Unabhängigkeit der Provinz von Serbien-Montenegro führen sollte. Schon in den 90er-Jahren, als der serbische Diktator Slobodan Milosevic die letzten Reste der Autonomie Kosovos inner halb Jugoslawiens zerstörte, organisierte Rugova an führender Stelle eine unabhängige albanische Verwaltung im Untergrund.

Bei den Kosovo-Verhandlungen, die am kommenden Mittwoch hätten beginnen sollen, geht es um den künftigen Status der Provinz. Während die albanische Bevölkerungsmehrheit staatliche Unabhängigkeit der Provinz fordert, plädieren die Serben für ein Verbleiben innerhalb des heutigen Staates Serbien-Montenegro. Unter internationalen Experten hat sich die Meinung durchgesetzt, dass kein Weg an einer international garantierten Unabhängigkeit des Kosovo vorbei führt. Wichtig, so heißt es, sei dabei vor allem die Sicherheit der serbischen Minderheit innerhalb dieses neuen Staates.

Aus der Umgebung des Kosovo-Unterhändlers Martti Ahtisaari, früher finnischer Ministerpräsident, in Wien war zu hören, die Verhandlungen würden im Februar beginnen. Viel hängt davon ab, ob sich die wichtigsten Führer der Albaner im Kosovo möglichst bald auf die künftige Zusammensetzung ihrer Verhandlungsdelegation einigen können, die eigentlich von Rugova geleitet werden sollte. Gleich nach dem Tod des Präsidenten begann auch der politische Kampf um seine Nachfolge.

Anteilnahme kam nicht zuletzt aus Serbien. Der Privatsender B92 veröffentlichte eine Fülle von Zuschriften, in denen Rugova als einer der größten Politiker der Region gewürdigt wurde.

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