Nach dem Tod von Kim Jong-il
Kondolenzkrieg zwischen Japan und Nordkorea

Der Tod von Nordkoreas Diktator Kim Jong-il sorgt für einen bizarren Konflikt zwischen Japan und Nordkorea. Japan hatte nach dem Tod nicht offiziell Beileid bekundet und damit für Empörung gesorgt.
  • 1

TokyoDer Tod von Nordkoreas Führer Kim Jong-il verstärkt die diplomatische Krise zwischen Japan und Nordkorea. Nordkorea hat Japans Regierung am Dienstag schärfstens dafür kritisiert, nicht nur nicht offiziell Beileid bekundet zu haben, sondern sogar die Reise von Vertretern der Vereinigung der in Japan lebenden Nordkoreaner zu Kims Begräbnis verhindert zu haben.

“Das koreanische Volk lernte mehr über die japanischen politischen Pigmäen, während es trauerte“, schrieb die Zentrale Koreanische Nachrichtenagentur, (KCNA) das englischsprachige Sprachrohr des Regimes. „Es ist eine Tragödie für Japan selbst, dass solche Menschen, die so ignorant in elementarer Ethik und Moral und Etikette sind, die Staatsgeschäfte leiten.“ Die KCNA drohte an, dass sich dadurch die diplomatischen Beziehungen verschlechtern dürften.

Der Hintergrund ist der leidige Streit um von Nordkorea entführte Japaner, die in Japan noch immer als ungelöst angesehen wird. Aus der Regierung heißt es, dass Ministerpräsident Yoshihiko Noda aus Rücksicht auf die Gefühle der Entführten und ihrer Angehörigen entschieden hat, nicht offiziell zu kondolieren. Die Nordkoreaner werfen ihm vor, die Trauer des koreanischen Volks zu instrumentalisieren und durch eine harte Haltung innenpolitisch Pluspunkte sammeln zu wollen.

Auch in Japan wurde Nodas Entscheidung kritisiert. Einige bekannte Japaner kondolierten sogar im Tokioter Hauptquartier der koreanischen Vereinigung, darunter auch Japans ehemaliger Ministerpräsident Junichiro Koizumi, wie auch die KCNA deutlich herausstellte.



Kommentare zu " Nach dem Tod von Kim Jong-il: Kondolenzkrieg zwischen Japan und Nordkorea"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Zitat: "Der Hintergrund ist der leidige Streit um von Nordkorea entführte Japaner, die in Japan noch immer als ungelöst angesehen wird."

    Dieser "leidige Streit" geht um Menschen, denen grausam das Leben zerstört wurde.

    Dieser Satz ist eine bodenlose Frechheit.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%