Nach dem Tode des Literaturnobelpreisträgers
Russland trauert um Solschenizyn

Er war der bekannteste Regimekritiker zu Sowjetzeiten, Literaturnobelpreisträger und einer der bedeutendsten Schriftsteller Russlands – am Sonntagabend ist Alexander Solschenizyn im Alter von 89 Jahren gestorben.

HB MOSKAU. Solschenizyn erlag am Sonntagabend einem Herzversagen in seinem Haus in der Nähe von Moskau, wie sein Sohn Stepan mitteilte. Präsident Dmitri Medwedew sprach der Familie sein Beileid aus.

Die russisch-orthodoxe Kirche würdigt den in Moskau gestorbenen Schriftsteller Alexander Solschenizyn als großen Vordenker für künftige Generationen gewürdigt. Der tief gläubige Literaturnobelpreisträger habe ein reiches Erbe an Gedanken für die Zukunft Russlands hinterlassen, sagte der Sprecher des Moskauer Patriarchats, Wsewolod Tschaplin, am Montag nach Angaben der Agentur Interfax.

Der frühere Sowjetdissident habe Politik und Gesellschaft nicht nur kritisiert, sondern auch praktische Wege für ihre Entwicklung aufgezeigt.Mit der russischen Orthodoxie fühlte sich Solschenizyn eng verbunden.

Der Präsident der Akademie der Wissenschaften Russlands, Juri Ossipow, hatte Solschenizyn noch im vergangenen Jahr als einen der „größten Historiker und Philologen“ des 20. Jahrhunderts gewürdigt.

Solschenizyns Hauptwerk ist die Trilogie „Archipel Gulag“. In diesem literarisch-dokumentarischen Werk setzt er sich mit dem bis dahin geheimen System sowjetischer Gefangenenlager auseinander und machte die stalinistische Herrschaft begreifbar. Seine Schilderungen veränderten auch die Einstellung vieler westlicher Intellektueller zur Sowjetunion grundlegend.

Solschenizyn war der älteste lebende Literaturnobelpreisträger. Er hinterlässt seine Frau Natalja, die auch seine Sprecherin war, sowie seine drei Söhne Jermolai, Ignati und Stepan. Alle drei leben in den USA.

Solschenizyn wurde 1918 im Nordkaukasus geboren und zog als Kind mit seiner Mutter nach Rostow am Don, wo er nach dem Abitur an der Physikalischen und Mathematischen Fakultät studierte. Danach arbeitete er kurz als Physiklehrer und wurde 1941 zur Roten Armee eingezogen. In den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges wurde er wegen abfälliger Bemerkungen über Stalin verhaftet. Er hatte den Machthaber in einem Brief als den „Mann mit dem Schnauzbart“ bezeichnet. Solschenizyn verbrachte damals mehrere Jahre in Straflagern.

Nach einer kurzen Karriere in der Sowjetunion als Schriftsteller Anfang der 60er Jahre in der Zeit von Parteichef Nikita Chruschtschow fielen seine als zu politisch betrachteten Werke in Ungnade.

1970 wurde er mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet. Normalerweise ehrt die schwedische Akademie der Wissenschaften Schriftsteller erst nach Jahrzehnten des Schaffens. Solschenizyn durfte für die Auszeichnung nicht nach Stockholm reisen. Die Anfeindungen der Behörden verschärften sich, als 1973 in Paris der erste Band der „Gulag“-Trilogie erschien.

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