Nach dem Umsturz
Ukraine in Geldnot

Mit einem Machtwechsel allein lassen sich die Probleme in der Ukraine nicht lösen. Denn der Staat ist nahezu bankrott: 35 Milliarden US-Dollar fehlen. Die Ukraine sucht nach Kapitalgebern – eine Idee gibt es bereits.
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KiewDie nahezu bankrotte Ukraine benötigt nach eigenen Angaben nach dem Machtwechsel in Kiew gewaltige Finanzhilfen von 35 Milliarden US-Dollar (25,5 Milliarden Euro). Die Ex-Sowjetrepublik habe eine internationale Geberkonferenz mit der EU, den USA und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) vorgeschlagen, sagte der kommissarische Finanzminister Juri Kolobow am Montag in Kiew örtlichen Medien zufolge.

„Wir haben unseren internationalen Partnern vorgeschlagen, uns innerhalb der nächsten ein bis zwei Wochen Kredite zu gewähren.“ Russland hat angekündigte Hilfszahlungen in Milliardenhöhe angesichts der revolutionären Umbrüche im Nachbarland zunächst auf Eis gelegt.

Bereits Ende 2013 wurde die Lage so bedrohlich, dass die Regierung praktisch handlungsunfähig war. Haushalts- und Leistungsbilanzdefizit stiegen auf rund acht Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) - auch wegen der Weltfinanzkrise, die die Ukraine besonders hart traf.

Die Gesamtverschuldung kletterte Ende 2013 laut Schätzungen auf 41 Prozent des BIP. 2007 hatte der Wert noch bei 12,3 Prozent gelegen. Nur mit Finanzhilfen aus dem Ausland konnte die Regierung den Staatsbankrott verhindern. Das berichtet die Deutsche Beratergruppe Ukraine, die das Land im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums unterstützen soll.

Russland sagte im Dezember 2013 Hilfe im Wert von 18 Milliarden US-Dollar zu, das entspricht rund zehn Prozent des BIP: 15 Milliarden gab Moskau in Form kurzfristiger Kredite, drei Milliarden als Rabatt auf den Preis für russisches Gas. Kritiker bemängelten, dass diese kurzfristigen Hilfen langfristig die Probleme eher verschärften. Zudem begebe sich das Land in noch größere Abhängigkeit von Moskau.

Als die Regierung in Kiew auf Druck der Opposition zurücktrat, stoppte Russland Ende Januar seine Hilfen. Die US-Ratingagentur Standard & Poor's senkte danach die Kreditwürdigkeit der Ukraine auf „CCC+“ und am 20. Februar weiter auf „CCC“. Die jetzige Bewertung ist nur wenige Schritte von der Note „D“ entfernt. Sie wird vergeben, falls Länder ihren aus der Kreditaufnahme resultierenden Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen können.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Man müsste alle Auslandkonten von dem Clan Janukowitsch einfrieren und das Geld auf ein Treuhandkonto legen, bis eine ordentliche Regierung gewählt ist.Danach das Geld frei geben. Herr Janukowitsch und einige Minister müssten vor das Tribunalgericht und angeklagt werden, wegen Völkermord, auch wenn es sich "nur" um eine geringe Todeszahl handelt, im gegensatz zu Syrien?

  • Wenn es stimmt,dass deren Oligarchen hunderte von Milliarden Euros auf Schweizer Konten gebunkert haben,wäre dort der erste Ansatz oder etwa nicht....?!

  • An welches Land soll unser Geld denn noch gehen?

    Wir können doch nicht die ganze Welt mitfinanzieren!

    Am Ende geht es uns nicht besser!

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