Nach dem Veto
Großbritannien diskutiert über EU-Austritt

Beobachter werten das britische Nein beim EU-Gipfel als Fiasko. Jetzt diskutiert das Land über den EU-Austritt. Wissenschaftler halten ihn für möglich, Politiker warnen davor, aber viele Briten hätten nichts dagegen.
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LondonNach dem Nein zu einer EU-Vertragsreform hält der Londoner Politologe Anthony Glees einen Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union für möglich. „Wenn man nach 50 Jahren europäischer Zusammenarbeit immer noch skeptisch ist, dann ist man eigentlich nie für die Europäische Union zu gewinnen“, sagte Glees, Professor an der Buckingham University, am Montag im Deutschlandfunk.

In der EU sei es wie in einer Ehe: „In einer Ehe müssen beide Partner glücklich sein. Wenn einer nicht mehr will, dann ist die Ehe aus.“ Mit seiner EU-skeptischen Haltung stoße Premierminister David Cameron auf viel Zustimmung in der britischen Bevölkerung. „Das ist die große Gefahr für Europa, für Cameron, aber auch für Großbritannien“, sagte Glees.

Auch der Chef der Liberaldemokraten, Nick Clegg, äußerte sich besorgt. Es bestehe nun die Gefahr, dass Großbritannien innerhalb der Europäischen Union isoliert und an den Rand gedrängt werde, sagte er in britischen Medien. Die europafreundlichen Liberaldemokraten bilden zusammen mit den konservativen Tories von Premierminister David Cameron die Regierung in London. Sie hatten bei den Koalitionsverhandlungen gegen die Anti-Europa-Haltung einiger Tories gekämpft.

Clegg betonte zwar, dass die Koalition durch die Meinungsverschiedenheit nicht in Gefahr sei. Er sagte aber auch: „Ich bin über die Ergebnisse des Gipfels von letzter Woche bitter enttäuscht. “Er werde nun alles tun, dass aus „diesem Rückschritt keine dauerhafte Trennung wird“, erklärte Clegg. „Ich glaube nicht, dass das gut für die Lage auf dem Arbeitsmarkt ist, ob in der Londoner City oder sonst wo, und ich glaube nicht, dass das für das Wachstum und die Familien im Land gut ist.“

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48 Prozent der Briten wollen raus aus der EU

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  • wie will ich denn über eigene Belange entscheiden, wenn ich zuvor meine Rest-Kompetenzen abgegeben habe?

  • Europe, or an attempt of a united Europe, has been compromised, by economic incompetence of the politicians involved. There is a simple fact, proven over and over again, you cannot have a common currency without a common government. All previous attempts to use a common currency shared by different economies have failed. On top of that, to include Britain in a European get-together was another major mistake. Sometimes, when reading the Economist, they are not in Europe, they must be a powerful continent that we are not yet aware of. I lived in Europe and travelled extensively when i was a student, a United Europe already existed in the minds of young Europeans some 60 years ago. It took politicians 60 years to accomplish nothing. Just go ahead an create a United States of Europe, or whatever it's called, and it will work. Britain will come begging for admission after that. And the Euro will work. Unfortunately, all current Euro negotiations are conducted among people who know little or nothing about economics. Germany has a minister of economics who has not one second of training or experience in economics or finance. They have a foreign minister who is hardly in control of the English language, but covers up with arrogance. It is very sad that young people's dreams of a United Europe have been totally wrecked by short term thinking, or no real thinking at all, to achieve nothing but chaos in the last 60 years.

  • Ursprünglich wollte ich auf diesem Forum einen sachlichen Kommentar abgeben, aber jetzt stelle ich fest, auf welches Niveau einge Schreiberlinge abgeglitten sind - da möchte ich mich nun doch nicht einreihen!

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